Nackt spielende Kinder haben in Duisburg einen Skandal ausgelöst: Weil in einem Kindergarten Drei- bis Fünfjährige unbekleidet herumtoben durften, riefen Eltern zum Boykott der Einrichtung auf. In den vergangenen Tagen erschienen von 120 Kindern nur noch rund vierzig.
Die Erzieherinnen waren seit den Sommerferien einem neuen Konzept gefolgt: Wenn die Kleinen nackt spielen wollten, durften sie dies in einem eigenen Raum auch stundenweise tun. Als dies bekannt wurde, stürmten aufgebrachte Eltern und sogar Nachbarn die Kindertagesstätte und eilends einberufene Versammlungen der Stadt. Schnell schossen Gerüchte ins Kraut: Es seien Videos gedreht worden, die ins Internet gestellt würden. Pädophile seien am Werk gewesen.
"An diesen Vorwürfen ist nichts dran", sagt der Sprecher der Stadt Duisburg, Frank Kopatschek. Allerdings widerspreche der "Nackt-Raum" dem pädagogischen Konzept der Kommune. Alle Eltern hätten informiert werden müssen. Deshalb verhängt die Stadt nun drakonische Maßnahmen: Am gestrigen Mittwoch kündigte der Leiter des Jugendamtes, Thomas Krützberg, die vorübergehende Auflösung der Kita an. Die Leiterin wird von ihren Aufgaben entbunden, die Mitarbeiterinnen werden versetzt. Zum ersten Januar soll ein neues Team folgen. Dies sei eine vertrauensbildende Maßnahme. Der "Nackt-Raum" ist nach Einschätzung von Experten eine absolute Seltenheit. Allerdings sind die Erzieherinnen in NRW im Kindergartengesetz ausdrücklich angehalten, im Alltag die Erfahrung von "geschlechtlichen Differenzen" zu ermöglichen. Wie das geschehen soll, ist nicht ausgeführt.
Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes NRW, Dieter Greese, hat für die Aufregung kein Verständnis. Zwar glaubt auch er, dass die Leitung alle Eltern hätte informieren müssen. "Die aktuellen Reaktionen spiegeln aber eher die Fantasien der Eltern wider als eine tatsächliche Gefahr." Es sei absolut positiv, wenn Drei- bis Fünfjährige ihre Nacktheit und ihren Körper entdecken könnten. "Ein unbedecktes Spielen und Necken hat mit Pädophilie nichts zu tun", so Greese.
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