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10. Januar 2016

Klima: Das Klima bedroht die Reisernten

 Von 
Vietnamesische Reisbauern arbeiten in einem Feld nahe Tam Nong im Mekong Delta.  Foto: Getty Images/age fotostock RM

Gestiegener Meeresspiegel und Dürre werden in vielen Ländern zum Problem.

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Reis ist eines der wichtigsten Naturprodukte der Erde, für rund die Hälfte der Weltbevölkerung stellt er das Grundnahrungsmittel dar. Doch die ausreichende Versorgung mit dem für die Menschheit so bedeutsamen Getreide könnte in Zukunft gefährdet sein. Denn bereits jetzt leidet der Reisanbau unter dem Klimawandel; insbesondere jene Bauern, deren Felder in den Bereichen der großen asiatischen Flussdeltas liegen, spüren heute schon die Folgen der globalen Erwärmung, erklärt Folkard Asch, Agrar-Experte für Tropen und Subtropen an der Universität Hohenheim. Vor allem der erhöhte Wasserbedarf bei Dürre und ein steigender Meeresspiegel bedrohten demnach die Ernten. Beide Phänomene zählen zu den Hauptfolgen des Klimawandels. So sind die Ozeane in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt um siebeneinhalb Zentimeter gestiegen, wofür vor allem das Abschmelzen der Eisgletscher verantwortlich ist.

Für den Reisanbau stelle insbesondere dieser höhere Meeresspiegel ein „massives Problem“ dar, erklärt Folkard Asch. Der Grund: „In den küstennahen Regionen kann Salzwasser in die Felder eindringen. Die Reispflanzen stehen dann massiv unter Salzstress – Ernteeinbußen bis hin zu nicht mehr nutzbaren Feldern sind die Folge.“

Auch über 1800 Metern Reis anbauen

Die zunehmende Trockenheit, für die der Klimawandel in anderen Regionen sorge, führe zudem dazu, dass die Felder stärker bewässert werden müssten: „Die Bauern in den flussaufwärts gelegenen Gebieten entnehmen mehr Wasser, wodurch der Wasserspiegel im Fluss sinkt und im Bereich des Flussdeltas nicht mehr ausreicht“, erklärt der Professor für Wasserstress-Management bei Kulturpflanzen in den Tropen und Subtropen: „Beim Mekong zum Beispiel ist das bereits heute ein Problem.“ Einen möglichen Ausweg sieht der Forscher in „mehr wassersparenden Anbaumethoden“, beispielsweise, in dem saisonal Felder trockengelegt werden.

An anderen Orten vermag die Erderwärmung den Reisanbau indessen auch zu begünstigen, sagt Folkard Asch. So könne man dadurch mittlerweile auch in Gebieten über 1800 Metern Höhe Reis anbauen – theoretisch, denn diese Möglichkeit sei bisher nur in wenigen Regionen genutzt worden. Für die Menschen in vielen Ländern mit Höhenlagen in Afrika und Südamerika wie Madagaskar, Ruanda, Peru oder Bolivien stelle diese Option aber eine Chance dar, ist sich der Experte sicher und ergänzt: „Dabei ist es allerdings notwendig, Reissorten, Bestands- und Wasserführung anzupassen.“

Doch selbst wenn auf diese Weise neue Anbauflächen hinzukämen: Ein echter Ausgleich für die Ausfälle sei auf diese Weise nicht gewährleistet – und damit auch nicht die erforderliche Versorgung mit Reis, sagt der Wissenschaftler: „Die neuen Anbauflächen werden bei weitem nicht die Ernteausfälle in anderen Regionen kompensieren. Doch vor allem ist das ein räumliches Problem. Für die Versorgung der Bevölkerung jeweils vor Ort sind auch in Zukunft lokale Lösungen nötig.“

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Reisfelder, die als Nassanbau-System funktionieren, selbst zur Klimaveränderung beitragen, weil sie das Treibhausgas Methan ausstoßen. Dieser Effekt hat damit zu tun, dass die Bauern beim Nassanbau von Reis die Böden überfluten. Dadurch erzeugen sie dort ein sauerstofffreies Milieu – das wiederum das Entstehen von Methan-erzeugenden Bakterien begünstigt. Methan ist als Treibhausgas rund 21-mal wirksamer als Kohlendioxid. Experten führen bis zu 25 Prozent der weltweiten Produktion dieser umweltschädlichen chemischen Verbindung auf den Nassreisanbau zurück. Gleichwohl seien die Reisbauern in erster Linie als „Opfer des Klimawandels“ zu betrachten, betont Folkard Asch.

Produktion einschränken

Zudem gebe es in vielen Regionen der Erde, die dauerhaft überflutet sind, zum aquatisch wachsenden Reis als Grundnahrungsmittel keinerlei Alternative: „Große Flächen in Asien und Afrika sind für nichts anderes außer Reis geeignet“, erläutert der Agrar-Experte. Ohnehin würden solche Gebiete – etwa Moore oder Marsche – auch ohne Reisanbau Methan ausstoßen; wenn auch in geringeren Mengen.

Etwas anders verhält es sich bei Anbausystemen, die nur saisonal überflutet sind: „Hier kann man leichter Trockenphasen einbauen, den Belüftungszustand des Bodens verändern und auf diese Weise die Methanbildung begrenzen“, erklärt der Experte. An der Verbreitung solcher Methoden werde bereits gearbeitet.

Keine Alternative sieht Asch hingegen darin, die Produktion von Reis aus Klimaschutzgründen einzuschränken. Überdies produziere innerhalb der Landwirtschaft nicht allein der Anbau von Reis Methan. Vor allem sei es auch die expandierende Rinderhaltung, die dafür sorge, dass große Mengen des Treibhausgases in die Atmosphäre gelangen. Denn die Kühe stoßen es bei ihrer Verdauung aus: Sie käuen wieder und rülpsen das Methan dabei aus. (pam)

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