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01. März 2013

Klima: Waldbrände heizen die Erde auf

 Von Frank Grotelüschen
Ausgedehnte Waldbrände wüteten im Januar auf der australischen Insel Tasmanien. Die dunkelgrünen Areale sind abgebrannt.  Foto: Getty images/DigitalGlobe

Durch Menschen oder Blitze verursachte Brände vernichten jährlich 400 Millionen Hektar Grünland – eine Fläche, so groß wie Indien. Jetzt zeigt sich: Die Waldbrände verändern spürbar unser Klima.

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Das Klima ist eine hochkomplexe Angelegenheit – weshalb es den Forschern so schwer fällt, präzise Prognosen abzugeben. Denn das Klima wird durch viele Faktoren beeinflusst: Sonneneinstrahlung, Treibhausgase, Weltmeere. Ein anderer Faktor aber wird bisher meist außer Acht gelassen: Waldbrände und Großfeuer. Erst allmählich wird den Experten klar, dass vor allem Waldbrände unser Klima spürbar verändern – und umgekehrt vom Klimawandel beeinflusst werden.

„Jedes Jahr brennen mehr als 400 Millionen Hektar ab, eine Fläche größer als Indien“, sagt Silvia Kloster vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Oft sind es Blitzeinschläge, die Holz entzünden und ganze Wälder vernichten. Diese verheerenden Feuersbrünste haben das Antlitz unseres Planeten seit Urzeiten geprägt. „Bei einer Welt ohne Feuer hätten wir wesentlich mehr Wälder auf der Erde“, sagt Kloster. „Dann würde es viel weniger Savannen geben, die dadurch entstehen, dass es regelmäßig durch Dürren zu Bränden kommt.“

Aber auch der Mensch mischt seit vielen Jahrtausenden kräftig mit, etwa als Brandstifter, der Wälder abfackelt, um Ackerland zu gewinnen. Eines dieser menschgemachten Großfeuer konnte die Klimaforscherin vor zwei Jahren hautnah miterleben – in einem Nationalpark in Südafrika. Dort hatten die Behörden absichtlich einen Flächenbrand gelegt, um dafür zu sorgen, dass das Unterholz in der Savanne nicht zu dicht wird.

Der Mensch als Feuerlöscher

Hubschrauber hatten tischtennisballgroße, mit Glyzerin gefüllte Bälle abgeworfen, die im trockenen Gras im Nu ein ordentliches Feuer entfachten. „Ich stand mittendrin“, erinnert sich Kloster. „Das Feuer breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus.“ Zum Glück hatte die Feuerwehr die Sache im Griff und konnte das Flammenmeer gezielt eingrenzen. Dennoch nahm Kloster eine bleibende Erinnerung mit nach Deutschland: „Am Ende roch ich wie geräuchert, meine Sachen konnte ich zu Hause gleich mehrmals waschen!“

Doch Menschen zündeln nicht nur, sie agieren auch als Feuerlöscher, der durch sein Wirken natürliche Brände eindämmt oder ganz unterbindet. Der Grund: „Wir bauen immer mehr in Flächen hinein, wo es eigentlich regelmäßig brennen würde“, erklärt die Expertin. „Diese Feuer verhindert der Mensch jetzt dort.“ Ackerflächen zum Beispiel geraten eher selten in Brand und verhindern dadurch, dass sich Waldbrände ausbreiten und zu riesigen Feuerwalzen werden können.

Die Folge: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Mensch immer mehr Felder anlegte und Städte baute, wüteten immer weniger Feuer auf unserem Planeten. Doch dann kam der Wendepunkt. Die Brände, fand Kloster heraus, nahmen wieder zu. „Unsere Computersimulationen haben gezeigt, dass die Situation um das Jahr 1960 kippte“, sagt die Klimaforscherin. „Seitdem nimmt die Fläche, die jedes Jahr auf der Erde abbrennt, wieder zu.“

Als Grund dafür vermuten die Experten die globale Klimaerwärmung: Durch sie ist es vielerorts heißer und trockener geworden – und trockenes Holz brennt besser als feuchtes. Außerdem lässt der steigende CO2 -Gehalt der Luft die Pflanzen besser wachsen, schließlich ist CO2 das Atemgas der Flora. Dadurch gibt es immer mehr Biomasse auf der Erde, also auch mehr Brennmaterial.

Um nun herauszufinden, ob sich dieser Trend weiter fortsetzt und ob der Klimawandel dazu führt, dass in 25 Jahren noch mehr Brände als heute die Erde heimsuchen, bilden Kloster und ihr Team das Geschehen im Computer nach. Sie simulieren die Vegetation für verschiedene Regionen, lassen dort Menschen Feuer legen und löschen, zündeln mit Blitzen. Das alles kombinieren sie mit Klimamodellen. Das Resultat: „Global sehen wir eine Zunahme“, erläutert Kloster. „In unseren Simulationen steigt die Zahl der Brände für das Jahr 2040 um ein Fünftel an – und damit auch die von ihnen verursachten Emissionen.“

Tropenwälder besonders gefährdet

Nur: Für verschiedene Regionen der Erde dürfte es beträchtliche Unterschiede geben. „In manchen Gegenden werden wir eine Zunahme finden“, so Kloster, „in anderen Regionen allerdings auch eine Abnahme.“ In den Tropenwäldern etwa könnten die Feuer besonders zunehmen. Im Mittelmeerraum dagegen dürfte es seltener brennen als heute. Dort wird es wegen zunehmender Trockenheit weniger Vegetation geben, und damit weniger Brennmaterial.

Doch das Klima beeinflusst nicht nur das Feuer, sondern Feuer wirkt sich umgekehrt auch auf das Klima aus. Offensichtlich ist: Je mehr Brände wüten, umso mehr CO2 gelangt in die Luft – natürliche Feuer sind nach den vom Menschen verursachten Emissionen die zweitgrößte CO2 -Quelle überhaupt. Allerdings sorgen sie in der Regel nur für vorübergehende Effekte. Schließlich wachsen auf den verbrannten Flächen meist wieder Pflanzen nach, die das CO2 dann erneut binden.

„Aber es gibt noch viele andere Faktoren“, sagt Silvia Kloster. „Brände setzen nicht nur CO2 frei, sondern auch viele andere Gase.“ So entstehen zum Beispiel beträchtliche Mengen an Methan – ein noch wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid. Zudem werden viele Rußteilchen in die Luft geblasen. Die sind bekanntlich tiefschwarz, absorbieren das Sonnenlicht dadurch höchst effizient und heizen die Atmosphäre zusätzlich auf.

Aber die Sache ist komplex: Manche Schwebteilchen, die durch Feuer in die Atmosphäre gelangen, könnten die Klimaerwärmung sogar dämpfen, indem sie als Keime für Wolken fungieren. Diese Wolken könnten unsere Atmosphäre kühlen, indem sie Sonnenstrahlung ins All reflektieren. Das Fazit: Es dürfte in Zukunft zwar mehr Feuer auf der Erde geben. Aber ob diese Brände den Klimawandel zusätzlich anheizen oder vielleicht eher dämpfen werden, kann Silvia Kloster derzeit noch nicht abschätzen: „Das ist noch eine offene Forschungsfrage, an der wir stetig arbeiten.“

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