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27. Juli 2014

Klimawandel: Wärme lässt Seen schrumpfen

 Von Gisela Gross
Die Forschungsplattform zum Klimawandel auf dem Stechlinsee in Brandenburg.  Foto: dpa

Forscher untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels auf deutsche Binnengewässer. Um mehr als 1,5 Grad hat sich die oberflächliche Wasserschicht bereits erwärmt.

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Sommerzeit, Badezeit. Doch mit andauernd warmen Temperaturen trüben immer wieder glitschige Algen das Vergnügen. Sie gedeihen bestens in warmem Wasser. Muss man sich auch wegen des Klimawandels daran gewöhnen? Die Erderwärmung und langfristig steigende Wassertemperaturen tragen sicherlich zur Ausbreitung von Algen bei, wie Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagt. „Auch die Größe von Seen nimmt ab, weil in heißeren Sommern mehr Wasser verdunstet. Viele Feuchtgebiete sind schon verschwunden.“

Die Lebensgemeinschaften von Algen, Wasserpflanzen und Fischen etwa unterliegen ständigen Veränderungen, erklärt Binnengewässer-Experte Jens Arle vom Umweltbundesamt (UBA). Unklar sei jedoch, inwiefern das auf den Klimawandel zurückzuführen ist: „Es ist einer von vielen Faktoren.“ Fischerei, Tourismus und Landwirtschaft spielten je nach Region ebenfalls eine Rolle.

„Wir stellen in wärmer gewordenen Seen Arten fest, die sich plötzlich ausbreiten“, berichtet der Gewässerforscher Thomas Schneider von der Technischen Universität München. Das betreffe einheimische wie eingewanderte Wasserpflanzen. „Andere Arten sind auf dem absteigenden Ast.“ Eingeschleppt würden Pflanzen etwa, wenn Aquarien bei der Umgestaltung in die Kanalisation oder in ein Gewässer gekippt werden - und passende Umweltbedingungen vorfinden.

Um Veränderungen zu überwachen, vergleichen die TU-Forscher auch Satellitenbilder: „Pflanzen und Wasserinhaltsstoffe reflektieren, absorbieren oder streuen Licht auf unterschiedliche Weise“, sagt Schneider. Um kleine „Problemseen“ zu beobachten, wird auch an speziellen Sensoren für Drohnen gefeilt: Damit ließe sich die Blaualgenblüte frühzeitig erkennen, die für Badende gesundheitsgefährdend sein kann. Seen im ganzen Bundesgebiet lassen sich jedoch schwer überblicken. Es komme erschwerend hinzu, dass Messreihen bei Seen meist nur wenige Jahrzehnte zurückreichen – anders als etwa bei der Lufttemperatur, betont Achim Daschkeit vom Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung. „Oft sind die Programme nicht eigens für den Klimawandel konzipiert.“

Am Stechlinsee in Brandenburg begannen die Messungen, bevor die Erderwärmung in aller Munde war. Denn bis 1990 wurden täglich mehrere hundert Millionen Liter Wasser aus dem Kühlkreislauf eines Kernkraftwerks in den See gepumpt; es war rund zehn Grad wärmer als das natürliche Seewasser. Seit 2012 betreibt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei auf dem See ein Labor, eine schwimmende Plattform für Freilandversuche. Folgen des Klimawandels werden dort gezielt erforscht.

Die Messwerte aus 50 Jahren zeigen: Um mehr als 1,5 Grad hat sich die oberflächliche Wasserschicht bereits erwärmt. Im Winter ist der Stechlin nur an wenigen Tagen mit Eis bedeckt. „Alle diese Daten gehen in mathematische Modelle ein, mit denen wir prognostizieren, welche Bedingungen bis etwa 2100 zu erwarten sind, wenn der Klimawandel in gleichem Maße fortschreitet“, sagt die Sprecherin des Seelabors, Martina Bauchrowitz.

Ab 2050 rechnen die Experten etwa mit Veränderungen bei den Wasserschichten, die sich im Sommer ausbilden: Das von der Sonne erwärmte Oberflächenwasser könnte sich dann in tiefere Schichten ausdehnen. Dies haben die Wissenschaftler 2013 im Seelabor experimentell simuliert: in 24 zylindrischen Becken aus Folie, die an Aluminium-Schwimmringen hängen und in 20 Metern Tiefe am Seegrund verankert sind. Mit Pumpen wurde darin das warme Oberflächenwasser in die Tiefe geleitet.

Ob sich das auf Gewässerorganismen auswirkt? Die biologischen Prozesse im See hätten sich zunächst anscheinend kaum verändert, sagt Labor-Sprecherin Bauchrowitz. Für Schlussfolgerungen sei es auch wegen technischer Herausforderungen zu früh. In einem EU-Projekt sollen bald die Folgen extremer Wetterereignisse wie Starkregen und Sturm für den See untersucht werden.

„Ökologisch gesunde Gewässer vertragen den Klimawandel voraussichtlich besser“, sagt Achim Daschkeit vom UBA. Seen naturnah zu bewirtschaften sei daher die beste Vorsorge. „Auch Nutzer wie Fischer und Touristen sollten mit Blick auf den Klimawandel überlegen, ob sie Seen in Zukunft genauso nutzen können wie heute.“ (dpa)

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