Eine Hütte zügig abbauen, die Teile platzsparend aufstapeln, wegtragen und anderenorts wieder aufrichten - selbst für menschliche Heimwerker ist das eine Herausforderung. Tintenfischen hatte ein solches Maß an handwerklichem Geschick und vorausschauender Planung erst recht niemand zugetraut. Doch ein etwa 15 Zentimeter kleiner Krake namens Amphioctopus marginatus hat die Fachwelt eines Besseren belehrt, berichten Julian Finn vom Museum Victoria im australischen Melbourne und seine Kollegen im Fachjournal Current Biology (Bd. 19, S. 1069).
Während mehr als 500 Tauchstunden vor den Küsten Indonesiens beobachteten die Biologen häufig, dass die Kraken unter leeren Kokosnuss-Schalen Schutz suchten. Interessant aber wurde es, als sie die Tiere aus ihrem Unterschlupf vertrieben. Die Aufgeschreckten packten ihre Nussschalen zusammen, setzten sich auf den Stapel und klemmten ihn zwischen ihren acht Armen ein. Dann versteiften sie ihre Gliedmaßen und staksten wie auf Stelzen mit ihrer Last davon.
Julian Finn erinnert sich noch gut an seine erste Reaktion auf diese bizarre Aktion: "Ich habe beim Tauchen noch nie so gelacht." Die Kraken schleppten ihren Schatz bis zu 20 Meter weit von den Störenfrieden weg und bauten die einzelnen Schalenteile dann wieder zu einer Schutzhütte zusammen. Das aber ist nach Ansicht der Forscher ein viel komplexeres Verhalten, als es etwa ein Einsiedlerkrebs an den Tag legt.
Der trägt einfach ein verwaistes Schneckenhaus als ständigen Schutz mit sich herum. Wenn sich der Oktopus dagegen seine Nussschalen unter die Arme klemmt, nützen sie ihm erst einmal gar nichts. Im Gegenteil: Der mühsame Stelzenlauf hindert ihn an der schnellen Flucht und verbraucht auch noch viel mehr Energie als normales Schwimmen. Der Krake manipuliert also Gegenstände, von denen er sich erst in Zukunft einen Nutzen verspricht. Damit hat er alle Voraussetzungen erfüllt, um sich neben den Säugetieren und Vögeln als erster wirbelloser Werkzeugbenutzer zu profilieren.
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