Aktuell: Schicksal von Tuğçe A. | Burger King | Polizeigewalt in Ferguson | Eintracht Frankfurt | Fußball-News

Wissen
Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

01. Dezember 2011

Kommentar: Schieflage im Pisa-Jahr 10

 Von Torsten Harmsen

Genau zehn Jahre ist es her, dass die Pisa-Studie die größte Aufregung in Deutschland, ja einen Schock auslöste. Bis dahin hatte man beim Wort Pisa nur an den schiefen Turm gedacht.

Drucken per Mail

Zehn Jahre Pisa (Programme for International Student Assessment) – das bedeutete zehn Jahre intensive Debatten über die Schieflage im deutschen Bildungssystem. Einiges hat sich zwar bewegt, viel zu vieles aber nicht grundlegend geändert. Man nehme nur die Gerechtigkeit. Sie kam als Kernthema auf, weil die schlechtesten Pisa-Leistungen vor allem von Kindern aus sozial schwachen Elternhäusern und Migrantenfamilien erbracht wurden. Es zeigte sich eine fatale, nahezu unauflösliche Verbindung zwischen Herkunft und Bildungschancen.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich nach und nach der Gedanke durchgesetzt, dass der Staat eine klare Verantwortung trägt, Schule zu gestalten und in Bildung einzugreifen – gegen das Geschrei der Liberalen, dass die Freiheit bedroht sei. Aber es muss ja erst einmal die Chance für jeden geben, Freiheiten zu erkennen und zu nutzen. Und so gibt es zaghafte Ansätze, über Bildungspakete, Deutschunterricht für Eltern, Förderung in Kitas oder über Schulreformen, etwa die Abschaffung der Hauptschule, frühzeitig Weichen zu stellen.

Doch es reicht offenbar noch längst nicht. Jüngst erschien eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Gerechtigkeit. Auch zehn Jahre nach Pisa landete Deutschland unter 31 OECD-Staaten nur auf dem 15. Platz. Jedes neunte Kind lebt unter der Armutsgrenze. In Dänemark ist es jedes siebenunddreißigste. Beim Bildungszugang liegt Deutschland sogar an 22. Stelle, hinter Portugal, den USA oder Chile.

Interessant ist, dass ausgerechnet in der Studie der wirtschaftsnahen Stiftung Autoren weitere „staatliche Umverteilungsmaßnahmen“ fordern, um durch gezielte Investition jedem „tatsächlich gleiche Verwirklichungschancen“ zu garantieren. Die Rede ist von Teilhabegerechtigkeit.

Das bedeutet auch, den Schulen Geld in die Hand zu geben, mit der Auflage, allen Kindern gleiche Bedingungen zu bieten – vom Buch bis zur Klassenfahrt. Es bedeutet, dass man ein Stipendiensystem entwickelt, das sozial orientiert ist und zugleich ganz bestimmte Entwicklungen und Talente gezielt fördert.

Nicht nur der Staat, auch die Privaten sind gefragt. Sogar die USA schaffen es, trotz ihres gnadenlos egoistischen Wirtschaftssystems, in punkto Bildungsgerechtigkeit drei Plätze vor Deutschland zu liegen. Sicher, weil es dort manchen Weg gibt, trotz schlechter Startbedingungen aufzusteigen – und sei es über ein Football-Stipendium.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung.

Anzeigenmarkt
Videonachrichten Wissen
Interaktive Grafik

Von der Bohne bis ins Regal: So entsteht Kakao für Schokolade und Getränke.

Interaktive Grafik

Über Nacht sterben europaweit in manchen Bienenstöcken 90 Prozent der Bienen-Bevölkerung.

Schutz der Ozonschicht
Das Nasa-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.

Was ist Ozon? Wofür ist Ozon wichtig? Und wie groß ist derzeit das Ozonloch? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Interaktive Grafik

Was läuft schief bei Diabetes, was sind die Symptome - eine Animation erläutert die Hintergründe.

Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Interaktive Grafik

Indonesiens Wälder verschwinden für neue Plantagen - doch Palmöl ist auch für die Gesundheit relevant.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige
Sonnensturm
Hier ist ein Sonnensturm in weiß in der Mitte unten zu sehen.

Derzeit finden heftige Eruptionen auf der Sonne statt. Das verursacht magnetische Stürme auf der Erde.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.