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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

03. Oktober 2012

Kopfnote: Bildung statt Babysitting

 Von Torsten Harmsen
Kinder sollten früh gefördert werden.  Foto: dpa

Zu einer guten Förderung gehört auch, sprachliche Rückstände bei Kindern mit ungenügendem familiären Input auszugleichen und Fehlentwicklungen zu entdecken.

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"Sie verstehen Kinder?“, wird man zurzeit von großen Plakatwänden gefragt. Das Bundesfamilienministerium sucht Tagesmütter und -väter. Man benötigt dafür unter anderem Interesse am Job, eine Pflegeerlaubnis, einen Erste-Hilfe-Kurs und ein Qualifizierungsseminar.

Offenbar schafft der Staat es nicht, genügend Krippen zu bauen und Erzieher auszubilden. Sonst würde er nicht eine solche Privatisierungswelle anstoßen. Seltsamerweise soll es dabei aber nicht nur um familiennahe Betreuung gehen, sondern auch um die Förderung der „frühkindlichen Bildung“.

Kleinkinder verstehen

Je früher, desto besser! – so lautet die Formel seit Pisa. Und um Kinder bilden zu können, ist es natürlich wichtig, sie zu verstehen. So wie es auf den Plakaten zu lesen ist. „Nella!“, ruft da ein rennender kleiner Junge. Die Übersetzung steht gleich darunter: „Du holst mich nicht ein. Ich bin schneller!“ Ein Mädchen fragt: „Nane da?“ Die Übersetzung lautet: „Zum Nachtisch nehme ich bitte Banane, ja?“

Guckt man ein bisschen in die Sprachforschung, dann erfährt man bald, dass es gar nicht so einfach ist, Kleinkinder zu verstehen. „Nane da?“ könnte viel mehr bedeuten. Denn sogar das einfache Wort „Tul“ (Einwortsätze spricht ein Kind mit etwa einem Jahr) könnte heißen: „Bitte setze mich auf den Stuhl! – Bitte schiebe den Stuhl weg! – Das ist ein/mein Stuhl! – Schiebst du bitte den Stuhl zu mir!“ Mit etwa zwei Jahren kommen Zweiwortsätze hinzu: „Aku’ pielen“ heißt dann vielleicht: „Markus will spielen. – Das ist der Platz, auf dem Markus immer spielt. – Bitte spiel mit Markus!“

Erfahrung und Diagnostik

Europaweit werden Erzieher – bis auf Ausnahmen – an Hochschulen ausgebildet. Auch deutsche Hochschulen richten nach und nach Studiengänge für Frühpädagogik ein – sie beinhalten sechsmonatige Praktika, die gewiss auch notwendig sind. Denn gerade, wenn man das Wort Bildung im Mund führt, kann man die Dinge nicht dem Selbstlauf überlassen.

Zu einer guten Förderung gehört auch, sprachliche Rückstände bei Kindern mit ungenügendem familiären Input auszugleichen und Fehlentwicklungen zu entdecken. An Störungen zählen die Forscher auf: Stammeln, Näseln, Stottern, Poltern, Mutismus oder Aphasien. So etwas früh zu erkennen und zu behandeln, dafür braucht es Erfahrung und eine feine Diagnostik.

Diese sollte man fördern. Alles andere ist ein staatlich beworbenes reines Babysitter-Programm.

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