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19. Dezember 2012

Kopfnote: Forscher suchen nach einer Glücksformel

 Von Torsten Harmsen
Klee bringt Glück. Angeblich. Forscher suchen nach der ultimativen Glücksformel. Foto: Imago

Viele Leute wünschen sich, eine Glücksformel zu finden. Das Streben geht bis hinein in die Bildung. Mancherorts wurde in Deutschland ein Schulfach „Glück“ eingeführt, das Lebensfreude zum Lernziel erhebt.

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„Was willst du denn mal werden?“ – „Glücklich!“ – „Nein, ich meine, welchen Job du mal machen willst.“ – „Bezahlter Urlauber.“ Solche Dialoge mit  Heranwachsenden treiben leistungsorientierte Nachwuchsförderer zur Verzweiflung. Schließlich soll die Jugend doch emsig nach  Erfolg streben und den Wirtschaftsstandort voranpeitschen.

Leider gibt es immer wieder Leute, die dieses hehre Ziel hintertreiben. So wie zwei Forscher der Jacobs University Bremen und des Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA. Diese haben jüngst erstmalig ermittelt, wie der perfekte Tag aussieht – und zwar ausgerechnet mit Methoden, die sonst zur Optimierung von Produktionsabläufen dienen. Sie analysierten die Aussagen von 900 amerikanischen Frauen, um einen „perfekten Tag“ zu konstruieren, der  maximales Glück und Wohlbefinden garantiert. Denn es geht nicht nur darum, möglichst angenehme Dinge zu tun, sondern diese auch optimal über den Tag zu verteilen.

Nur 36 Minuten für den Job

So entstand ein Tageskreis, in dem zehn Stunden mit Kuscheln, Freunde-Treffen, Quasseln, Telefonieren, Shoppen, Fernsehen, Sport und Relaxen ausgefüllt sind. Für den Job wird gerade mal 36 Minuten aufgewendet, die verständlicherweise unangenehme Hausarbeit (47 Minuten) rangiert  zeitlich auf gleicher Ebene wie die Kinderbetreuung (46 Minuten). Dafür wird 73 Minuten lang gebetet und meditiert und 78 Minuten relaxt. Wie sich Letzteres von der „romantischen Zeit mit dem Partner“ (106 Minuten), dem Fernsehen (55 Minuten) oder Schlafen (46 Minuten) abgrenzt, wird nicht gesagt.

Auf alle Fälle ein richtig fauler Tag, der da aus der Schnittmenge von 900 Idealvorstellungen hervorgeht. Nur sehr bedingt aber eignet sich das im Fachblatt Journal of Economic Psychology veröffentlichte Modell als Beitrag dazu, um „Glück und Wohlbefinden adäquat zu messen“, wie die Forscher schreiben. Denn so ein richtig schöner fauler Kuscheltag muss gewiss mal sein, ist aber kaum ein Modell fürs Lebensglück. Zumal man sich fragt, wo hier die Männer,  Wanderfreunde, Hobby-Fotografen, Fußballfans oder Kinder bleiben.

Suche nach der Glücksformel

Viele Leute wünschen sich, eine Glücksformel zu finden. Das Streben geht bis hinein in die Bildung. Mancherorts wurde in Deutschland ein Schulfach „Glück“ eingeführt, das Lebensfreude zum Lernziel erhebt. Diese ergebe sich aus dem Zusammenspiel von Zufriedenheit, Selbstsicherheit und Selbstverantwortung, sagt ein Lehrer. Das südasiatische Königreich Bhutan hat das „Bruttosozialglück“ gar zur Staatsphilosophie erhoben, definiert als  Gleichgewicht zwischen materiellem Fortschritt und spirituellem Wohlsein.

Am Ende aber ist Glück etwas höchst Individuelles. Es lässt sich schwer auf eine Formel bringen, sondern ist eine Art, das Leben mit Arbeit, Familie, Kindern und all seinen Problemen anzunehmen und daraus das Beste zu machen.

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