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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

19. Mai 2012

Lebensmittelfarbe: Blaues Essen bleibt meistens liegen

 Von Christine Amrhein
Ausnahme: Kinder essen gern blaue Süßigkeiten.  Foto: AP

Die Farbe wirkt wie ein Warnsignal und ist appetithemmend. Beim Abnehmen kann man sich diesen Effekt zunutze machen.

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Teller & Bärchen

Verschiedene Studien untersuchten die Wirkung von Farbe auf das Essverhalten. Forscher der University of Illinois, USA, stellten fest, dass Erwachsene 69 Prozent mehr Gummibärchen essen, wenn diese bunt zusammengewürfelt in einer Schale liegen, als wenn sie einfarbig sind.

Um die Tellerfarbe ging es in anderen Studien. So fanden Forscher aus Basel heraus, dass rote Teller eher zum Aufhören verleiten als andere. New Yorker Forscher entdeckten, dass sich Leute größere Portionen auftun, wenn die Farbe des Essens mit der des Tellers übereinstimmt.

Blaue Plätzchen zu backen, lohnt sich nicht. Die bunten Leckereien bleiben wahrscheinlich unangerührt auf dem Teller liegen. Warum stehen wir der Farbe Blau beim Essen so skeptisch gegenüber – obwohl ein großer Teil der Deutschen Blau als seine Lieblingsfarbe bezeichnet?

Die Erklärung gegen diese Abneigung ist einfach: Intensiv blau gefärbte Lebensmittel kommen in der Natur so gut wie nicht vor. Zwar gibt es einige Nahrungsmittel, die das Wort „blau“ in ihrem Namen tragen: Blaubeeren, Blaukraut, blauer Kohlrabi oder blaue Trauben. Genauer betrachtet sind diese Obst- und Gemüsesorten jedoch eher dunkelrot bis violett gefärbt.

Auf der anderen Seite sind satt blau gefärbte Gewächse in der Natur häufig giftig. So haben giftige Pilze oft eine blaue, violette oder blauschwarze Färbung. Schimmel fällt oft durch markante blaue oder grün-blaue Farbe auf. Daher haben wir im Lauf der Evolution gelernt, die Farbe bei Lebensmitteln als Warnsignal zu betrachten.

Genau dies musste auch ein Lebensmittelhersteller vor einigen Jahren erleben: Er brachte ein himmelblaues Ketchup auf den Markt, das den vielversprechenden Namen „Stellar Blue“ trug. Selbst bei den probierfreudigen Amerikaner kam die neue Tomatensauce nicht an – „Stellar Blue“ war ein Flopp und wurde nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen.

Psychologisch gesehen lässt sich die Abneigung gegen blau gefärbtes Essen durch den Mere-Exposure-Effekt (Effekt der reinen Darbietung) erklären. Demnach nimmt die Vorliebe für einen Gegenstand oder eine Person allein dadurch zu, dass man mit ihm oder ihr wiederholt in Kontakt kommt. Dieser Effekt wird auch von der Werbung genutzt, indem das gleiche Produkt möglichst oft – zum Beispiel in Werbespots oder auf Werbeplakaten – präsentiert wird. Mit zunehmender Zahl der Darbietungen wird das Produkt dann von den Konsumenten immer positiver bewertet.

Blaulicht im Kühlschrank

Ähnlich wird die Vorliebe für bestimmte Lebensmittel und Getränke auch dadurch geprägt, dass wir diese von Kindheit an häufiger sehen und konsumieren als andere Nahrungsmittel. Intensiv blaue Lebensmittel kommen dabei so selten vor, dass dafür im Lauf der kindlichen Entwicklung keine Vorliebe entstehen kann.

Auf der anderen Seite sind knallblaue Süßigkeiten wie blaue Lutscher oder blaue Gummi-Schlümpfe bei Kindern häufig ein echter Renner. Dies könnte daran liegen, dass die Nahrungsvorlieben junger Kinder noch nicht so stark geprägt sind, und sie auch künstlich bunten Speisen aufgeschlossen gegenüberstehen. Ob Kinder, die solche blauen Schleckereien häufig essen, auch als Erwachsene ihre Abneigung gegen Blau verlieren, ist bisher jedoch nicht bekannt.

Dagegen legen Studien aus den 70er-Jahren nahe, dass die Farbe einen appetithemmenden Effekt haben kann: Aßen die Probanden in einem blau beleuchteten Raum, nahmen sie weniger Nahrung zu sich. Einige Ernährungsexperten raten Abnehmwilligen daher, ihre Umgebung während einer Diät blau zu gestalten – zum Beispiel in einem blau dekorierten Zimmer zu essen oder eine blaue Tischdecke und blaues Geschirr zu verwenden. Auch eine blaue Beleuchtung im Kühlschrank soll dazu beitragen, dass der Appetit geringer ausfällt und man weniger isst.

Wie sehr das Auge bei den Farben mitisst, zeigt eine andere Untersuchung, die von Forschern der University of British Columbia im kanadischen Vancouver durchgeführt wurde. Hier sollten die Teilnehmer den Geschmack von Orangensaft in zwei unterschiedlich gefärbten Gläsern beurteilen. Und obwohl sich in den Gläsern genau das gleiche Getränk befand, wurde der Saft deutlich anders beurteilt. Ähnlich ist es auch bei Gummibärchen: Ihr Geschmack wird anders eingeschätzt, wenn sie rot, grün oder weiß gefärbt sind. Dagegen sind die Probanden jedoch nicht in der Lage, vom Geschmack auf die richtige Farbe zu schließen, wenn sie die Gummibärchen im Dunkeln verzehren.

Obwohl Blau bei den Lebensmitteln so schlecht abschneidet, bringen andere psychologische Studien die Farbe durchaus mit positiven Eigenschaften in Verbindung. So assoziieren viele Menschen eine blaue Umgebung oder das blaue Meer mit Ruhe, Entspannung und Wohlbefinden.

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