Sie sollen ihre Schüler für den Job weiterqualifizieren, das Schulenglisch auffrischen und immer öfter Migranten die Integration in Deutschland erleichtern: Glaubt man dem Hohenlied, das die Politik immer wieder auf die Weiterbildung anstimmt, müssten die dazugehörigen Dozenten eigentlich ein enorm hohes Ansehen genießen. Ihre Arbeitsbedingungen aber sprechen eine andere Sprache. Wer das schwarz auf weiß nachlesen will, wird im Schwarzbuch „Beschäftigung in der Weiterbildung“ fündig, das die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Freitag in Berlin vorstellte.
Erschütternde Erkenntnisse zur Situation von Weiterbildern liefert darin eine Studie, die das Institut für Berufs- und Weiterbildung an der Uni Duisburg-Essen jüngst im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellt hat. Mittels Interviews konnten die Autoren vor allem für Dozenten in der allgemeinen Weiterbildung eine prekäre Beschäftigungssituation ausmachen: So würden Überstunden, die zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts anfielen, von Arbeitgebern selbstverständlich erwartet, aber nicht bezahlt.
Dozenten hangelten sich von einer befristeten Stelle zur nächsten. Und: Bei den meisten handelte es sich um selbstständige Honorarkräfte, denen laut Autoren in der Regel nicht mehr als 800 bis 1100 Euro im Monat zur Verfügung stehen. In der Folge seien viele nicht sozialversichert; auch eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei eher die Ausnahme. Selbst Festangestellten ginge es dabei nicht viel besser.
Auffällig dabei: Betroffen sind vor allem öffentlich finanzierte Maßnahmen, zu deren Hauptauftraggebern die Bundesagentur für Arbeit ebenso wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), aber auch Länder und Kommunen zählen.
Belastend kommt hinzu, dass sich viele Weiterbilder auch inhaltlich überfordert, weil nicht ausreichend qualifiziert fühlen. Obwohl sie sich selbst in der Erwachsenenbildung verorten und dafür auch ausgebildet wurden, müssen sie sich heute immer öfter um die schulische Weiterbildung und Qualifizierung sozial benachteiligter Jugendlicher kümmern. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Integrationsmaßnahmen für Migranten, die bundesweit von rund 18000 Lehrkräften unterrichtet werden.
Ihrer neuen Rolle aber als „intervenierende Sozialpädagogen“, die zuweilen auch mit aggressiver Klientel umgehen müssten, fühlen sich viele nicht gewachsen. Tragisch: Eigene Weiterbildung, die sie auf die neuen sozialpolitischen Aspekte ihrer Arbeit vorbereiten könnte, lassen sich aus Sicht der Dozenten weder zeitlich noch finanziell stemmen.
Mängel bei Integrationskursen
Nicht zuletzt öffentliche Träger bekommen im Schwarzbuch ihr Fett weg: Wer als Dozent etwa einen vom BAMF finanzierten Kurs für „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichten wolle, müsse zuvor eine entsprechende Qualifizierungsmaßnahme durchlaufen. Die Kosten dafür aber musste der Dozent bis dato vorstrecken; inzwischen hat die schwarz-gelbe Regierung die Zuschüsse sogar komplett gestrichen.
Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Auf ihr finden sich die Mitarbeiter der überwiegend privat und dabei deutlich besser finanzierten beruflichen und betrieblichen Weiterbildung: Fragt man sie, ist die eigene berufliche Zukunft sicher; sie sind über ihre Arbeitgeber sozial abgesichert und auch in der Lage, sich selbst weiterzuqualifizieren.
Insgesamt aber kommt die Weiterbildungsexpertin der GEW, Stephanie Odenwald, zu einem harten Fazit, vor allem für die Integrationsarbeit: „Es gibt eine riesige Kluft zwischen den Reden der Politiker, die eine bessere Bildung von Migranten fordern, und den Beschäftigungsbedingungen von Pädagogen“, sagte sie der Frankfurter Rundschau.
Odenwald verlangte von der Bundesregierung, den Branchentarifvertrag „Weiterbildung“ für allgemeingültig zu erklären. Dieser garantiere Brutto-Löhne von rund 2000 Euro im Westen und 1800 Euro im Osten.
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