Früher gab es den plastischen Begriff der Säuferleber. Der ist heute zwar nicht mehr salonfähig, aber man konnte sich wenigstens was drunter vorstellen. Gesundheitsbewusste moderne Menschen meiden daher den Alkohol wie die Vampire den Knoblauch, stürzen sich stattdessen auf Cola und Limo und lassen diese literweise die Kehle hinunter rinnen. In der Gewissheit, ihre Leber zuschonen, fühlen sie sich dabei richtig gut, denn zu viel − wie beim Alkohol − konnte man ja bei der süßen Plörre nicht erwischen.
Falsch gedacht. Möglicherweise liegen sie mit dieser Einschätzung komplett daneben und finden sich schon bald im selben Krankenzimmer wie die Wermutbrüder. Denn bei der Limo gibt es wahrscheinlich ein Problem, das für die Leber ähnlich gefährlich sein kann: Fructose. Waren Softdrinks früher gezuckert, nimmt man heute fürs Süße vor allem Fructose-Glucose- (mehr Fructose) oder Glucose-Fructose-Sirup (mehr Glucose). Der Sirup lässt sich leicht und billig aus Mais herstellen, den es ohnehin im Überfluss gibt.
Abgesehen davon hat Fructose-Glucose Sirup für die Getränkeindustrie gegenüber herkömmlichem Zucker den Vorteil, dass er stabiler ist, frischer wirkt und eine günstigere Konsistenz hat. Für die Verbraucher hat er aber womöglich erhebliche Nachteile.
Verschiedene Wissenschaftler schlagen mittlerweile Alarm, weil sie Fructose mit einer relativ neuartigen Lebererkrankung in Zusammenhang bringen, der so genannten nicht-alkoholischen, also nicht durch Alkohol verursachten Fettleber, an der mittlerweile immerhin 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen leiden. Dabei scheint Fructose das Organ durch ähnliche Mechanismen zu schädigen, wie Alkohol.
Auch das Ergebnis ist das gleiche: zunächst verfettet die Leber, dann kann es zu einer Entzündung und schließlich im ungünstigsten Fall zur Leberzirrhose kommen. Aber auch hier macht’s die Menge. Streicht man die Softdrinks komplett, kann sich die Leber wie auch beim Alkohol wieder vollständig erholen.
Erwähnt sei allerdings, dass auch starkes Übergewicht oder ein Diabetes zu einer nicht-alkoholischen Fettleber führen können. Da aber sowohl starkes Übergewicht als auch Diabetes wiederum durch große Mengen Limo und Cola begünstigt werden, sind die Zusammenhänge denkbar kompliziert.
Wer sich jetzt die Hände reibt, weil er nur Süßstoff nimmt, freut sich möglicherweise zu früh: auch hier gibt es erste Hinweise, dass bestimmte Substanzen, teilweise in Kombination mit dem Farbstoff Zuckerkulör, unter anderem zu Übergewicht und Diabetes führen können.
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