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Mathematik: Affen können Mengenlehre

Rhesusaffen sind in der Lage, einfache mathematische Aufgaben zu lösen. Forscher der Uni Tübingen herausgefunden hoffen, dass ihre Erkenntnisse auch Schlaganfallpatienten nutzen können.


Foto: dpa

Tübingen/Washington. Rhesusaffen sind in der Lage, einfache mathematische Aufgaben zu lösen. Neurobiologen der Universität Tübingen haben den Tieren beigebracht, Punktemengen nach ihrer Größe zu ordnen.

Diese "Größer-als"- und "Kleiner-als"-Regeln hätten die Affen innerhalb kurzer Zeit souverän beherrscht, teilte die Universität am Montag mit. Gleichzeitig konnten die Forscher zeigen, welche Gehirnzellen für die Lösung bestimmter Aufgaben zuständig sind, schreibt die Arbeitsgruppe um den Tierphysiologen Andreas Nieder in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"; online vorab).

"Größer-als"- und "Kleiner-als"-Entscheidungen seien auch bei Menschen eine Voraussetzung für zielgerichtetes Verhalten. Ansonsten könnte man sich beim Einkaufen zum Beispiel nicht für das Produkt mit dem niedrigeren Preis entscheiden.

Um herauszufinden, wo im Gehirn Nervenzellen diese Aufgaben lösen, haben die Forscher bei den Rhesusaffen die Gehirnströme gemessen. Die Tiere bekamen zwei unterschiedlich große Punktemengen gezeigt und mussten entweder angeben, wo die größere oder wo die kleinere Punktemenge zu sehen war.

Dabei seien erstaunliche Reaktionen im Bereich des Stirnhirns deutlich geworden. Unabhängig davon, wie groß die zu vergleichenden Punktemengen waren: Die Gehirnzellen konzentrierten sich ausschließlich auf die Rechenregel.

Die eine Hälfte der Nervenzellen wurde nur dann aktiv, wenn die Regel "Größer als" zu befolgen war, die andere Hälfte der Gehirnzellen nur dann, wenn die Tiere die Regel "Kleiner als" befolgen sollten.

Die Erkenntnisse könnten langfristig Menschen helfen, bei denen nach Schlaganfällen oder Hirnverletzungen das logische Denken und Schlussfolgern beeinträchtigt ist, sagte Nieder.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisierte die Untersuchungen. Den Affen würde völlig ohne Grund für lange Zeit der Kopf fixiert. Zudem würde ihnen die Schädeldecke aufgebohrt, um Elektroden für die Messung der Hirnströme zu befestigen.

Professor Nieder verteidigte die Methoden. "Wenn man ein Tier langsam an die Fixierung des Kopfs gewöhnt, ist das eine geringe Belastung. Die Fixierung ist unumgänglich, weil wir nur so die Augenbewegungen messen können.".

Die Elektroden am Gehirn könnten die Affen gar nicht spüren, weil es dort keine Schmerzrezeptoren gebe. "Wir sind uns der Verantwortung sehr bewusst und versuchen, sehr pfleglich mit den Tieren umzugehen", sagte der Leiter der Studie. (dpa)

Datum:  19 | 1 | 2010
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