kalaydo.de Anzeigen

Menschenformen: Der Neue aus Sibirien

Außer dem Neanderthaler und dem Homo sapiens gab es noch eine dritte Menschenart: Leipziger Forscher haben in Zentralasien Spuren des unbekannten Verwandten entdeckt. Von Anke Brodmerkel

Archäologen am Fundort in der Denisova-Höhle.
Archäologen am Fundort in der Denisova-Höhle.
Foto: MPI/Krause

Vor rund 40.000 Jahren tummelten sich in Asien offenbar gleich drei verschiedene Menschenformen. Denn anders als lange angenommen, scheint dort neben den Neandertalern und den frühen modernen Menschen noch ein dritter, bislang unbekannter Verwandter aus der Gattung Homo gelebt zu haben. Das berichtet ein Team um Johannes Krause und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva) in Leipzig am heutigen Donnerstag im Journal Nature (Online).

Die Eva-Forscher kamen zu ihrer überraschenden Erkenntnis, nachdem sie die DNA eines fossilen Knochenfunds aus dem südlichen Sibirien ausgewertet hatten. Es ist das erste Mal, dass Forscher einen ausgestorbenen Verwandten des heutigen Menschen nicht anhand der Gestalt seiner Knochen, sondern nur aufgrund seines Erbmaterials identifizierten.

"Mit einem solchen Ergebnis hatten wir selbst nicht gerechnet", sagt der Erstautor der Studie, Johannes Krause. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, den Knochen eines modernen Menschen vor uns zu haben." In der Gesteinsschicht, in der der Knochen entdeckt wurde, sei man nämlich auch auf Kulturgegenstände von Homo sapiens gestoßen - auf Armreifen und Kettenanhänger. Das beweist, dass die noch unbekannte Menschenart und die frühen modernen Menschen zumindest teilweise zur gleichen Zeit und an den gleichen Orten gelebt haben müssen.

Bei dem Knochen handelt es sich um das Stück eines Fingers, das im Jahr 2008 in der Denisova-Höhle des Altai-Gebirges ausgegraben wurde. Pääbo und seine Kollegen, die im Februar 2009 bereits das Genom des Neandertalers vorgestellt hatten, gelang es, aus dem Knochen die mitochondriale DNA, kurz mtDNA, zu isolieren. Dieser Teil des Erbguts, der aus etwa 17.000 Bausteinen, den Basenpaaren, besteht, steckt nicht in den Zellkernen, sondern in den Mitochondrien. Sie versorgen die Zelle mit Energie.

"Der Vorteil unserer Methode besteht unter anderem darin, dass das mitochondriale Erbgut in jeder Zelle in mehreren tausend Ausführungen vorhanden ist", erläutert Krause. Im Kern befinden sich hingegen stets nur zwei Kopien des Erbguts. Darüber hinaus verändert sich die mtDNA im Laufe der Evolution rascher als die Kern-DNA, was einen Vergleich verschiedener Arten erleichtert.

1 von 2
Nächste Seite »
Autor:  Anke Brodmerkel
Datum:  25 | 3 | 2010
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige

Videos
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung


Spezial
www.museocereanatomiche.it

Neue Forschungsergebnisse in der Medizin, der Blick in das Innere des Menschen - mehr zu lesen im FR-Spezial Medizin.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.

Umfrage: Sind Feedback-Fahrten für Fahranfänger sinnvoll?

Die Koalition plant offenbar, nach österreichischem Vorbild sogenannte Feedback-Fahrten für Führerscheinneulinge einzuführen. Die müssen drei Monate nach ihrer Prüfung erneut Fahrstunden nehmen. Gute Idee - oder Unsinn?

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Spezial

Sie sollte das Studium vereinfachen, das Hochschulwesen europaweit vereinheitlichen. Die Kritik an der Bologna-Reform lässt nicht nach.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!