Vor rund 40.000 Jahren tummelten sich in Asien offenbar gleich drei verschiedene Menschenformen. Denn anders als lange angenommen, scheint dort neben den Neandertalern und den frühen modernen Menschen noch ein dritter, bislang unbekannter Verwandter aus der Gattung Homo gelebt zu haben. Das berichtet ein Team um Johannes Krause und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (Eva) in Leipzig am heutigen Donnerstag im Journal Nature (Online).
Die Eva-Forscher kamen zu ihrer überraschenden Erkenntnis, nachdem sie die DNA eines fossilen Knochenfunds aus dem südlichen Sibirien ausgewertet hatten. Es ist das erste Mal, dass Forscher einen ausgestorbenen Verwandten des heutigen Menschen nicht anhand der Gestalt seiner Knochen, sondern nur aufgrund seines Erbmaterials identifizierten.
"Mit einem solchen Ergebnis hatten wir selbst nicht gerechnet", sagt der Erstautor der Studie, Johannes Krause. "Eigentlich waren wir davon ausgegangen, den Knochen eines modernen Menschen vor uns zu haben." In der Gesteinsschicht, in der der Knochen entdeckt wurde, sei man nämlich auch auf Kulturgegenstände von Homo sapiens gestoßen - auf Armreifen und Kettenanhänger. Das beweist, dass die noch unbekannte Menschenart und die frühen modernen Menschen zumindest teilweise zur gleichen Zeit und an den gleichen Orten gelebt haben müssen.
Bei dem Knochen handelt es sich um das Stück eines Fingers, das im Jahr 2008 in der Denisova-Höhle des Altai-Gebirges ausgegraben wurde. Pääbo und seine Kollegen, die im Februar 2009 bereits das Genom des Neandertalers vorgestellt hatten, gelang es, aus dem Knochen die mitochondriale DNA, kurz mtDNA, zu isolieren. Dieser Teil des Erbguts, der aus etwa 17.000 Bausteinen, den Basenpaaren, besteht, steckt nicht in den Zellkernen, sondern in den Mitochondrien. Sie versorgen die Zelle mit Energie.
"Der Vorteil unserer Methode besteht unter anderem darin, dass das mitochondriale Erbgut in jeder Zelle in mehreren tausend Ausführungen vorhanden ist", erläutert Krause. Im Kern befinden sich hingegen stets nur zwei Kopien des Erbguts. Darüber hinaus verändert sich die mtDNA im Laufe der Evolution rascher als die Kern-DNA, was einen Vergleich verschiedener Arten erleichtert.
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