Aber auch daraus wird eine persönliche Erfahrung. Wie im Zoo habe er sich im Ceti gefühlt, sagt einer der Jungforscher. Vielleicht kommen die Geschichten hinter dem Forschungsthema Migration auf dieser Reise dichter, schneller, unerwarteter an die Wissenschaftler heran als gewohnt.
Als ein Beamter der Guardia Civil lange über Bewegungsmelder und Wachtürme spricht, kommen einer Doktorandin die Tränen. "Da wird das Schicksal dieser Menschen auf eine technische Frage reduziert", sagt sie. Die Sicherheit der Konferenzräume ist verloren. Es ist für viele das erste Mal in Marokko, das erste Mal in Afrika.
Aber auch wer mehr Erfahrung hat, bleibt nicht neutral. Basak Bilecen hat ihre Masterarbeit über Menschenschmuggler-Netzwerke geschrieben; sie kennt die Geschichten illegaler Einwanderer, sie hat sie von Angesicht zu Angesicht gehört. Auch sie sagt in Marokko: "Diese Erfahrungen sind einfach berührend. Es drängt einen, etwas zu unternehmen."
Für die meisten der Stipendiaten ist Migration mehr als ein Thema im akademischen Diskurs. Fast alle haben eigene Migrationserfahrungen. Und sie wollen Ideen entwickeln, wie mit der Wanderung umgegangen werden sollte. "Wissenschaftler haben eine Aufgabe gegenüber der Politik", sagt Anne Hartung. "Ich verstehe mich auch als Teil einer Bewegung, die sagt: Dieses Thema wird allgemein nicht genug beachtet."
"Müssen Lücken schließen"
Ist Wissenschaft also Politikberatung? "Das sollte ein Teil der Arbeit sein", sagt Hartung. Migration und die Folgen seien noch zu wenig erforscht, und Ergebnisse würden oft nicht ernst genommen. "Wir müssen Forschungslücken schließen: Wenn bei einem Puzzle schon viele Teile gelegt sind, aber noch Lücken bleiben, dann kann man das Gesamtbild immer noch falsch interpretieren."
Zeit für einen neuen Blick auf das Gesamtbild bleibt vielleicht erst nach der Rückkehr. Was nehmen die Doktoranden mit aus Marokko nach Europa, und dann später nach Kanada, in die USA, nach Deutschland, Belgien, Israel? "Ich denke die Teilnehmer werden in ein paar Jahren noch dran denken, welche Fragen sie sich hier gestellt haben", sagt Michael Werz aus der Auswahlkommision. Und es soll auch nicht die letzte Reise bleiben. Als nächstes könne es etwa an die mexikanisch-amerikanische Grenze gehen. Zum nächsten Wanderweg - und zum nächsten Brennpunkt.
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