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Muslime im Schuldienst: Sarrazin fürs Lehrerzimmer

Erst sorgt Bundesbanker Sarrazin mit seinen Äußerungen über Ausländer für Aufruhr - jetzt zieht der NRW-Gerichtspräsident Bertrams nach: Muslime sollten generell aus dem Schuldienst ausgeschlossen werden. Von Hermann Horstkotte

Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtspräsident Michael Bertrams würde gern gläubige Muslime im staatlichen Schuldienst generell ausschließen, nicht nur Kopftuchträgerinnen.
Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtspräsident Michael Bertrams würde gern gläubige Muslime im staatlichen Schuldienst generell ausschließen, nicht nur Kopftuchträgerinnen.
Foto: rtr

Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtspräsident Michael Bertrams würde gläubige Muslime im staatlichen Schuldienst gern generell ausschließen, nicht nur Kopftuchträgerinnen. Denn ihre Religion stehe in radikalem Widerspruch zum Grundgesetz, hatte Bertrams in einem öffentlichen Vortrag vor dem evangelischen Kirchenkreis Münster gesagt − und erntet dafür nun heftigen Protest. Der Richter spielt offenbar den Sarrazin im Lehrerzimmer.

"Mehr als die Hälfte meiner Schüler hat muslimischen Hintergrund, ich selber auch", sagt Tagrid Yousef, Oberstudienrätin an einem Duisburger Berufskolleg. "Bertrams sollte mal einen Probetag machen, um sich von seiner abergläubischen Angst zu befreien."

Nach Ansichten des nordrhein-westfälichen Verfassungsrichter, Michael Bertrams, steht der Islam in radikalem Widerspruch zum Grundgesetz.
Nach Ansichten des nordrhein-westfälichen Verfassungsrichter, Michael Bertrams, steht der Islam in radikalem Widerspruch zum Grundgesetz.
Foto: ddp

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Meyer-Lauber, erklärt: "Laut Schulgesetz dürfen Lehrer keine politischen, religiösen oder äußere Bekundungen abgeben, die die Neutralität des Landes oder den Schulfrieden gefährden." Auf das "äußere Verhalten" stellt auch immer wieder das Bundesverfassungsgericht ab. "Wie jedoch jemand Religion als Privatsache lebt, entzieht sich der staatlichen Bewertung."

Tatsächlich aber vertrat Bertrams in seinem Vortrag die Auffassung, dass Muslime "von ihrem muslimischen Selbstverständnis her" häufig Positionen vertreten, "die in offenem Widerspruch zu elementaren Grundwerten unserer Verfassung stehen." So sei die Frau "in nahezu allen Lebensbereichen" schlechter gestellt als der Mann. Solche Auffassungen schlössen folglich die Eignung als Lehrer an einer staatlichen Schule aus, so Bertrams. Er will sich aktuell nicht mehr zu seinem schon im September gehaltenen Vortrag äußern.

Sarrazin und seine Provokationen

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Betroffene wie der bundesweite "Rat muslimischer Studierender und Akademiker" sehen in Bertrams’ Wertung "eine neue Dimension in der Diskriminierung muslimischer Lehrer. Hielt man bis dahin das Kopftuch für bedenklich", heißt es in einem Protestschreiben an das Justizministerium, "so wird nun die Eignung der Person insgesamt in Frage gestellt."

Gegenwind kommt ebenfalls von der Zeit-Stiftung, die sich bundesweit dafür einsetzt, dass mehr Migranten Lehrer werden.

Protest kam am Montag auch vom NRW-Schulministerium. "Lehrkräfte muslimischen Glaubens sind eine Bereicherung für die Schulen", so heißt es. Das Neutralitätsgebot gelte selbstverständlich auch für Pädagogen muslimischen Glaubens: "Uns ist kein Fall bekannt, in dem ein muslimischer Lehrer gegen dieses Gebot verstoßen hätte."

Autor:  Hermann Horstkotte
Datum:  12 | 10 | 2009
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