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Nach Sarg-Fund: Das Geheimnis um Königin Editha

Wissenschaftler entdecken den Sarkophag der Adligen im November im Magdeburger Dom. Genaue Analysen der Überreste sollen klären, ob es sich um die Gemahlin Ottos des Großen handelt.

Archäologen habenden Sarg Mitte November im Zuge der Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom entdeckt. Er wurde in einem bislang für ein Scheingrab gehaltenen Sarkophag gefunden.
Archäologen habenden Sarg Mitte November im Zuge der Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom entdeckt. Er wurde in einem bislang für ein Scheingrab gehaltenen Sarkophag gefunden.
Foto: ap

Halle. Archäologen haben in Halle erstmals den kürzlich entdeckten Bleisarg mit vermutlich königlichen Gebeinen der Öffentlichkeit präsentiert. Laut einer Inschrift handelt es sich um Königin Editha, die von 910 bis 946 lebte und die erste Gemahlin Ottos des Großen war, des Gründers des heiligen römischen Reichs deutscher Nation.

Archäologen hatten den Sarg Mitte November im Zuge der Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom entdeckt. Er wurde in einem bislang für ein Scheingrab gehaltenen Sarkophag gefunden. Der Kenotaph war im Jahre 1510 errichtet worden und befindet sich im Chorumgang des gotischen Doms, wenige Meter vom Grabmal Ottos des Großen entfernt.

Bei den Grabungen unter dem Kenotaph wurden bedeutende Mauerreste eines Vorgängerbaus des Magdeburger Doms gefunden. Um sie näher in Augenschein nehmen zu können, musste der aus Sandstein gebaute Sarkophag verschoben werden.

Zuvor wurde mit einer Kamerafahrt festgestellt, dass der Behälter nicht leer ist. Als der mehr als eine Tonne schwere Deckel des Sarkophags mit einem Kran angehoben wurde, kam darunter eine etwa 70 Zentimeter große Bleikiste zum Vorschein. Sie enthält laut einer Inschrift die umgebetteten Gebeine der Königin Editha.

Fund ersten Ranges

Ob die Gebeine wirklich die sterblichen Überreste Königin Edithas sind, soll nun wissenschaftlich belegt werden. Mit C14-, DNA-, Sauerstoff-, Strontium- und Stickstoff-Untersuchungen wollen die Archäologen das Geheimnis lüften. Damit kann nachgewiesen werden, wie alt die verstorbene Person war oder welchem Geschlecht sie angehörte.

Grabungsleiter Rainer Kuhn bezeichnete die Entdeckung des Königsgrabes als Fund ersten Ranges, der die Wissenschaft noch Jahre beschäftigen wird. "Es ist ein großer Tag für die Mittelalter-Forschung", betonte Kuhn. Landesarchäologe Harald Meller sprach gar von einem der bedeutendsten Funde der Mittelalter-Archäologie der zurückliegenden Jahrzehnte.

Der Bleisarg war unter strengster Geheimhaltung geborgen und ins Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle gebracht worden. Erste Sichtungen und Röntgenuntersuchungen ergaben, dass sich darin neben Gebeinen ein Leinentuch und weitere Textilien befinden.

Mit modernen wissenschaftlichen Methoden lässt sich feststellen, ob die Person jemals Wasser in England getrunken hat und längere Zeit in Mitteldeutschland lebte. Diese Untersuchungen sollen in Mainz durchgeführt werden und zirka anderthalb Jahre in Anspruch nehmen. Königin Editha entstammte einem englischen Königsgeschlecht. Sie heiratete 929 Otto I. und herrschte gemeinsam mit ihm.

Otto schenkte ihr als Morgengabe die Stadt Magdeburg, seine Lieblingsresidenz. Editha wurde sehr verehrt für ihre Großzügigkeit gegenüber armen Leuten. Sie starb im Alter von nur 36 Jahren und wurde im Mauritiuskloster zu Magdeburg beigesetzt. Aus den Urkunden geht hervor, dass ihr Leichnam mindestens vier Mal umgebettet wurde. (ap)

Datum:  28 | 1 | 2009
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