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25. März 2011

Nachhaltige Entwicklung: Demokratisches China und alle essen Bio

 Von Jeannette Goddar
Viele Ideen kamen in Berlin zusammen.  Foto: Rainer Lutter

Junge Köpfe entwickeln ihre Vision für 2050. Der Rat für nachhaltige Entwicklung

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Es gibt Dinge, die sich ändern. Und Dinge, die ändern sich nie. Dass Menschen sich hinsetzen und ihren Tag in Worte fassen, wird vielleicht immer so bleiben. Das glaubt jedenfalls Andrea Wittek, die ihre Vision für das Leben im Jahr 2050 mit den Worten beginnt: „Liebes Tagebuch. Heute war ein guter Tag.“

Gut, weil schon ihr morgendlicher Gesundheitscheck ergab, dass sie völlig fit ist; nur ihr Eiweißdepot sollte sie auffüllen. Das tat sie dann. Den Rest des Tages hat die 63-Jährige verbracht wie meist: Auf ihrem Bildschirm begrüßten sie ihre persönlichen Nachrichten des Tages – eine Zeitung gibt es nicht mehr.

Nach der Lektüre ging sie zuhause ihrer Telearbeit nach. Dass sie sich nicht so weit bewegen muss, kommt ihr zupass – schließlich rechnet Andrea Wittek damit, bis weit über ihren 70. Geburtstag arbeiten zu müssen. Jetzt freut sie sich auf den Abend: Ein Klassentreffen steht an. Sie schreibt: „Zum Glück sind wir noch fast komplett. Die Medizin hat ja so große Fortschritte gemacht.“

Im heutigen Leben ist Andrea Wittek 23 und hat soeben ihr Studium in Wirtschaftsrecht abgeschlossen. Ihre Vision für das Jahr 2050 ist eine von 85, die ebenso viele Schüler, Studierende und Arbeitende unter 27 Jahren bis gestern in Berlin entworfen haben. Aufgefordert vom Rat für nachhaltige Entwicklung, dessen 15 Mitglieder die Bundesregierung in Fragen zur selben beraten.

Die 85 wurden ausgewählt, weil sie mit ihrem Engagement in Sachen Nachhaltigkeit jemandem aufgefallen sind: Einem der Sachverständigen zum Beispiel, einem Professor, dem Bund für Umwelt und Naturschutz. Fast alle akademischen Fächer waren vertreten; auch Schüler, Nachwuchskräfte aus Forschungsabteilungen der Industrie und Jungpolitiker waren dabei. Bereits seit Februar hatten sie online über die drängendsten Zukunftsfragen diskutiert. In Berlin bearbeitet wurden dann diese Themenfelder: Umwelt und Energie, Mobilität und Verkehr, Bildung, Partizipation und soziales Miteinander, nachhaltiger Konsum und nachhaltiger Konsum. Schließlich: internationale Beziehungen.

Vor allem in ihrem Optimismus unterschieden sich die Gruppen mächtig. Die Energie- und Mobilitätsexperten pinnten eine Vision an die Stellwände, die grüner nicht hätte sein können: Atomkraft ist 2050 flächendeckend erneuerbaren Energien gewichen; auch die Frage der Speicherung von Energie ist beantwortet. Naturschutz und Artenvielfalt stehen oben auf der Agenda. Essen gibt es nur noch in Bio; die Recyclingquote liegt bei 100 Prozent.

Atomkraft – das war einmal

Der Flugverkehr ist staatlich reglementiert und teurer, es fliegt nur noch, wer wirklich muss. Auf dem Boden bewegt man sich, wie es sich moderne Verkehrsplaner bereits heute wünschen: Mit dem Fahrrad zur Bahn; vom Bahnhof zur Arbeit per Carsharing.

Weit weniger auf eine Heile-Welt-Vision einigen konnten sich all jene, die sich der Weltordnung von morgen widmeten. Zwar sah die Internationale-Beziehungen-Gruppe China 2050 zur demokratischen Weltmacht mutiert und die Internationale Atombehörde mangels Atomkraft abgeschafft. Dafür wird die Welt 2050 dank Klimawandel und Wasserarmut in ganzen Regionen nicht mehr bewohnbar sein. Für die Migrationsströme, die daraus folgen, gibt es keine Lösung. Und das Auseinanderdriften von Arm und Reich? Das steht mit einem dicken Fragezeichen versehen an der Tafel.

Zentrale Ergebnisse des Brainstorming wurden gestern Abgesandten aus acht Bundesministerien übergeben. Die und auch der Rat der Nachhaltigkeit sollen nun dafür sorgen, dass die Perspektive des Nachwuchses in politisches Handeln einfließt: Gelegenheit dazu gibt es: Die Bundesregierung überarbeitet noch in diesem Jahr ihre sogenannte nationale Nachhaltigkeitsstrategie.

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