Die Bombe tickt seit dem 11. März 2008. Die Beamten der Kölner Kriminalpolizei durchsuchten an diesem Morgen die Räume des Instituts für Wissenschaftsberatung in Bergisch Gladbach. Die Kölner wollten wissen, ob ein in Hannover angeklagter Professor ein Einzelfall war. Der hatte zugegeben, gegen Geld - und auch gegen Sex - bei der Promotion nachgeholfen zu haben. Seine Klienten vermittelte ihm das Bergisch Gladbacher Institut. Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigt, dass gegen rund 100 weitere Professoren ermittelt wird.
Ein Mann, der sich darüber besonders freut, ist der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Professor Manuel Theisen. Er verfolgt das Treiben des Bergisch Gladbacher Instituts seit Jahren. "Es war doch für jeden, der sich auskennt, klar, dass es sich um ein illegales Geschäft handeln muss", sagte er am Sonntag.
Firmengründer Frank Grätz hatte sein Geschäftsmodell 1994 erfunden. Offiziell bot er einer gestressten Kundschaft an, bei wissenschaftlichen Arbeiten zu helfen. Dabei bewegte er sich ganz bewusst in einer Grauzone: Denn welche Hilfe ist bei einer wissenschaftlichen Arbeit erlaubt? Das Institut wollte bei der Doktorsuche und bei der Literaturrecherche helfen. Mehr nicht. Den Verdacht des Titelhandels oder auch die Zusammenarbeit mit Ghostwritern wies das Institut weit von sich. In der Eigenwerbung waren es über 1000 Promotionen, die man vermittelt habe. Keine einzige wurde je explizit vorgelegt. Wohlwissend, dass Hochschulverband und auch Staatsanwaltschaft sofort nachgefasst hätten.
Als in Hannover der Jura-Professor aufflog, begann das Kartenhaus des Instituts zusammenzustürzen. Nun wurde minutiös dargelegt, wie der Professor geschmiert wurde. Er und einer der Geschäftsführer des Instituts sind inzwischen rechtskräftig verurteilt. Das Institut hat Insolvenz angemeldet.
Aber das Kapitel Promotionsberatung ist noch lange nicht vorbei. Denn offensichtlich haben die Kölner Beamten den Professoren-Karteikasten des Wissenschaftsinstituts gefunden. Theisen: "Darauf haben viele gehofft." Wenn die vor Gericht auspacken, dann würden etliche Titelträger in Erklärungsnotstand geraten. Gut möglich, dass noch weitere Professoren auffliegen. Denn im Alleingang ist es unmöglich, einen Studenten durch das Prüfungsverfahren an einer deutschen Uni zu boxen. Theisen schätzt, dass rund 600 Promotionen im Jahr unrechtmäßig erworben werden.
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