Auf dem Weg über das Blut können Nanopartikel in die Zellen des Körpers gelangen. Was dort passieren kann, zeigen mehrere Studien an Zellkulturen. So lösten etwa Titandioxid-Nanopartikel oxidativen Stress aus. Dieser kann Eiweiße in der Zelle und auch das Erbmolekül DNA schädigen. Silber-Nanoteilchen können in Zellkerne eindringen und die Teilungsfähigkeit der DNA herabsetzten. Fehler bei der Vervielfältigung des Erbmoleküls können Krebs verursachen.
Ungefährliche Klumpen
Diese Befunde beweisen nicht, dass Nanoprodukte krank machen. Denn von einem giftigen Stoff geht keine Gefahr aus, wenn er nur in winzigen Mengen in den menschlichen Körper gelangt. Und darin besteht ein Grundproblem der Risikoforscher: Sie wissen nicht, wie viele Nanopartikel in die Körper eindringen.
Sie wissen nicht einmal, ob Konsumenten in nennenswertem Maß mit Nanoteilchen in Kontakt kommen: "Wahrscheinlich sind viele der Teilchen gar keine Nanopartikel", sagt Kreyling. Denn sie verklumpen oft zu Körnchen, Agglomeraten, die mehr als Tausend Nanometer Durchmesser haben und nicht ins Blut eindringen können. Aber sicher sind sich die Forscher nicht. "Es gibt keine Daten von der Industrie, wie groß der Anteil wirklicher Nanoteilchen in den Produkten ist", sagt Kreyling.
Und selbst dieses Wissen würde nicht viel helfen: "Die Agglomerate können sich erst bilden, wenn Nanoteilchen mit dem Lungengewebe in Kontakt kommen", sagt Martin Wiemann vom Institut für Biologische Emissionsbewertung in Marl. "Umgekehrt können bestehende Agglomerate in der Lunge zerfallen", sagt der Biologe. Was passiere, hänge vom Material und eventuellen Oberflächenbeschichtungen der Partikel ab.
Die Vielfalt der Nanopartikel, unterschiedliche Materialien, Formen, Größen, Oberflächenbeschichtungen, ist die größte Crux für die Risikoforscher. Weil Nanopartikel nur über ihre Größe definiert sind, ist ihre Mannigfaltigkeit fast unbegrenzt. "Das ist ungefähr so, als würde man alle Dinge erforschen, die kleiner sind als einen Meter", sagt Rolf Hertel vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Deren Gefährlichkeit schwankt bekanntlich sehr, etwa zwischen der einer Pistole und der eines Fußballes.
Im Grunde müsste jedes einzelne Nanomaterial untersucht werden", sagt Wiemann. Doch die Risikoforscher hoffen, dass es gelingt, die Teilchen in Klassen einzuteilen, so dass jeweils nur ein Vertreter jeder Klasse auf seine Gefährlichkeit untersucht werden müsste. Das würde die Forschung beschleunigen. Vielleicht könnten Verbraucher dann sicherer sein, dass das Zauberwort "Nano" ihnen nur Vorteile bringt.
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