Aktuell: Polizeigewalt in Ferguson | Burger King | Eintracht Frankfurt | Fußball-News | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Wissen
Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

03. Dezember 2012

Neuropsychologie: Älteren fehlt das warnende Bauchgefühl

Älteren Menschen fehlt das warnende Bauchgefühl - deshalb fallen sie öfter auf Betrüger herein. Foto: dpa

Ältere Menschen gehen Betrügern häufiger auf den Leim, als Jüngere. Warum das so ist, haben Forscher jetzt herausgefunden: ihnen fehlt das warnende Bauchgefühl.

Drucken per Mail

Senioren fallen häufiger auf Betrüger herein als jüngere Menschen. US-amerikanische Forscher jetzt die Ursache herausgefunden: Ältere erkennen die Anzeichen für Unehrlichkeit und mangelnde Vertrauenswürdigkeit im Gesicht anderer Menschen nicht mehr so gut. Zudem reagiert auch ein für die instinktive Risikoabschätzung wichtiges Zentrum ihres Gehirns weniger stark als bei jüngeren Personen, wie Hirnscans ergaben.

Den älteren Menschen fehle dadurch das warnende Bauchgefühl, das normalerweise dabei helfe, Verstellung und böse Absichten bei anderen zu erkennen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (doi:10.1073/pnas.1218518109). Zusammengenommen könnten beide Effekte erklären, weshalb ältere Menschen weniger misstrauisch seien und daher für Betrüger häufig eine leichtes Opfer.

„Allein in den USA haben Über-60-Jährige im Jahr 2010 mindestens 2,9 Milliarden Dollar durch Finanzbetrug verloren“, schreiben Elizabeth Castle von der University of California in Los Angeles und ihre Kollegen. Die Spannbreite der Fälle reiche dabei von vorgetäuschten Reparaturleistungen im Haushalt bis hin zu komplexen finanziellen Schwindeleien. Dass ältere Menschen Betrügern deshalb so oft auf den Leim gehen, weil sie gutgläubiger sind als jüngere, lag nahe. Warum das aber so ist, war bisher nicht geklärt, wie die Forscher berichten.

Unbewusste Signale im Gesicht des Gegenübers

An dem ersten Experiment der Forscher nahmen 119 Personen im Alter zwischen 55 und 84 Jahren und 24 junge Vergleichspersonen teil. Aufgabe für alle Probanden war es, jeweils 30 Fotos von frontal abgebildeten Gesichtern auf einer Skala als neutral, vertrauenswürdig oder nicht vertrauenswürdig einzuschätzen. Die Porträts wurden von den Forschern so ausgewählt, dass die drei Kategorien zu jeweils einem Drittel vertreten waren.

„Bei den neutralen und vertrauenswürdigen Gesichtern gab es kaum Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen“, berichten die Wissenschaftler. Die nicht vertrauenswürdigen Gesichter seien aber von den älteren Teilnehmern durchgehend positiver bewertet worden als von den jüngeren. Sie machten kaum einen Unterschied zwischen diesen und den anderen Porträts.

Nach Ansicht der Forscher deutet dies darauf hin, dass ältere Erwachsene die feinen mimischen Signale, anhand derer wir bei anderen Verstellung oder Unehrlichkeit erkennen, weniger gut wahrnehmen als jüngere. „Das kann das falsche Lächeln sein oder ein nicht offener Blick“, erklärt Studienleiterin Shelley Taylor von der University of California in Los Angeles.

Unterschiede in der Hirnaktivität

Im zweiten Experiment betrachteten 23 ältere und 21 jüngere Probanden ähnliche Gesichter wie im ersten Test, während ihre Gehirnaktivität mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) aufgezeichnet wurde. Die Teilnehmer sollten entweder die Gesichter als vertrauenswürdig oder nicht vertrauenswürdig einstufen oder - als Kontrollversuch - angeben, ob das jeweilige Porträt weiblich oder männlich war.

Auch bei diesem Experiment zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen, wie die Forscher berichten: „Bei den jüngeren Probanden stieg die Aktivität im Bereich der vorderen Insula immer dann besonders stark, wenn diese nicht vertrauenswürdige Gesichter bewerteten“, berichten Castle und ihre Kollegen. Dieses Hirnareal ist unter anderem daran beteiligt, gefühlsmäßige Eindrücke zu verarbeiten und Risiken unbewusst einzuschätzen. Im Zweifelsfall erzeugt es dann ein negatives Bauchgefühl.

Bei den älteren Teilnehmern sei diese Region bei allen Bewertungen - egal ob nach Vertrauenswürdigkeit oder Geschlecht - nur wenig aktiv gewesen, sagen die Forscher. Das könnte darauf hindeuten, dass ihnen das warnende Bauchgefühl fehle und sie deshalb leichter auf Betrüger hereinfallen. (dapd)

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten aus Wissenschaft und Forschung.

Anzeigenmarkt
Videonachrichten Wissen
Interaktive Grafik

Von der Bohne bis ins Regal: So entsteht Kakao für Schokolade und Getränke.

Interaktive Grafik

Über Nacht sterben europaweit in manchen Bienenstöcken 90 Prozent der Bienen-Bevölkerung.

Schutz der Ozonschicht
Das Nasa-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.

Was ist Ozon? Wofür ist Ozon wichtig? Und wie groß ist derzeit das Ozonloch? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Interaktive Grafik

Was läuft schief bei Diabetes, was sind die Symptome - eine Animation erläutert die Hintergründe.

Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Aurora Borealis

Wie eine gigantische Lasershow aus dem Weltall wirken die außerordentlich spektakulären Polarlichter - Bilder und Videos.

Interaktive Grafik

Indonesiens Wälder verschwinden für neue Plantagen - doch Palmöl ist auch für die Gesundheit relevant.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Anzeige
Sonnensturm
Hier ist ein Sonnensturm in weiß in der Mitte unten zu sehen.

Derzeit finden heftige Eruptionen auf der Sonne statt. Das verursacht magnetische Stürme auf der Erde.

Rückblick auf 50 Jahre
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin in seinem Raumanzug bei Übungen zum ersten bemannten Weltraumflug. Gagarin umkreiste am 12. April 1961 in der Raumkapsel Wostok als erster Mensch die Erde.

Zum fünfzigsten Jahrestag des ersten Starts der Menschheit ins Weltall hat die russische Raumfahrtagentur ein Video veröffentlicht.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.

Spezial

Vor vierzig Jahren brachen mutige Männer auf, um einen Menschheitstraum zu erfüllen - die Landung auf dem Mond.