Die Schule in Nordrhein-Westfalen hat gerade begonnen - aber wie viele Lehrer an Rhein und Ruhr fehlen, ist offenbar schwer zu beziffern. Fest steht: An Pädagogen mangelt es im gesamten Land. "Wir müssen den Lehrerjob noch attraktiver machen", sagt deswegen NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer. Die Christdemokratin rechnet mit rund 800 nicht besetzten Stellen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zählt gar 2000 fehlende Lehrer und die SPD-Opposition 5000. Die Bezirksregierungen wissen eigentlich ganz genau, wie viele der über sie ausgeschriebenen Lehrerstellen einen Bewerber gefunden haben. Danach fanden sich tatsächlich nur für 800 Stellen keine Anwärter. Allerdings, so die GEW, würden viele Schulen sich gar nicht erst an die aufwändige Ausschreibung machen, weil es ohnehin keine Kandidaten gebe.
"Wer für ein Gymnasium Mathe- und Physiklehrer sucht, der spart sich oft das Procedere", so der NRW-Vorsitzende der GEW, Andreas Meyer-Lauber, zur Frankfurter Rundschau. Auch die Lücken, die kranke oder schwangere Kollegen in die Unterrichtspläne reißen, zähle das Ministerium nicht mit. "Dabei fällt dieser Unterricht natürlich genauso aus wie von erfolglos ausgeschriebenen Stellen", so Mayer-Lauber.
Bleibt das dritte Zahlenmodell der SPD: Sie hat in einer Fleißarbeit über kleine Anfragen in sämtlichen 54 Kreisen und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen die dort fehlenden Lehrer erfragt und addiert - und kam auf die magische Zahl 5000. Sie hat aber nicht, wie bei Ministerin Sommer üblich, die überbesetzten Schulen gegen die unterbesetzten aufgerechnet.
Den Schulen nützen all diese Zahlenspiele wenig. Sie müssen Unterricht streichen, an einigen Gymnasien werden bestimmte Leistungskurse nicht mehr angeboten. Besonders dramatisch ist die Lage an Kollegschulen, die unter dem Mangel an Naturwissenschaftlern besonders leiden: Sie mussten teilweise ihr Fachschulangebot beenden.
"Mit der Therapie beginnen"
"Wir müssen mit der Analyse aufhören und mit der Therapie beginnen", sagt denn auch Meyer-Lauber. Und die beginnt für den Gewerkschafter mit der Ausbildung: "Wenn diese nicht attraktiver wird, werden auch zukünftig tausende Pädagogen fehlen", prophezeit er. An den Universitäten werde die Ausbildung der zukünftigen Lehrer stiefmütterlich behandelt, weil sie keine Drittmittel einbringe. Die Relation Professoren/Studierende sei hier besonders schlecht. "Wir verlieren bis zum ersten Staatsexamen 40 Prozent der Studierenden", so Mayer-Lauber. Schuld daran seien auch die Studiengebühren von 500 Euro pro Semester.
Auch die SPD will den Mangel therapieren und schlägt ein Fünf-Punkte-Programm vor. Es gelte, Studium und Arbeitsbedingungen an den Schulen zu verbessern. "Außerdem sollen Lehrer bis 45 Jahre verbeamtet werden", so die Vizechefin der SPD-Landtagsfraktion Ute Schäfer, die von der Landesregierung obendrein eine genaue Bedarfsprognose verlangt. Die letzte stammt von 2006. Damals kam heraus, dass 8000 Lehrer pro Jahr fehlen.
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