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Ökolandbau: Kritische Studien mit Kleingedrucktem

Skeptiker und Befürworter stehen sich in Sachen Ökolandbau unversöhnlich gegenüber. Wer hat Recht? Sind Bioprodukte gesünder? Dazu gibt es viele Studien - und weitere Untersuchungen sind nötig. Von Frauke Haß

Bananen.
Bananen.
Foto: FR/Boeckheler

Die Attacken auf das Image von Biolebensmitteln reißen nicht ab. Die jüngste - eine Studie der Stiftung Warentest (siehe Interview) - ist nur die letzte einer Reihe von Untersuchungen, die in die umstrittene Schlagzeile mündeten: Bio ist gar nicht gesünder. Dem Kleingedruckten sind dann andere Aussagen zu entnehmen, etwa die, dass 75 Prozent der Bioprodukte pestizidfrei sind, während das nur 16 Prozent der konventionellen Waren schaffen.

Zuletzt warnte der US-Forscher Joseph D. Rosen im April: "Konsumenten, die Biolebensmittel im Glauben kaufen, diese enthielten mehr gesundheitsfördernde Nährstoffe als konventionelle Nahrungsmittel, verschwenden ihr Geld." Unter anderem hatte Rosen kritisiert, dass es keinen Beweis für die gesundheitsförderliche Wirkung von Antioxidantien, Polyphenolen und Flavonoiden gebe. Auch bemängelt er, dass die Warnung vor dem hohen Nitratgehalt in konventionellem Gemüse nicht mit neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenpasse, wonach "Nitrat möglicherweise sogar krankheitsvorbeugend wirken kann".

Bereits im Sommer 2009 hatte eine britische Studie des Londoner Instituts für Hygiene und Tropenmedizin viele alarmiert. Die Forscher hatten im Auftrag der regierungsnahen Food Standards Agency 162 wissenschaftliche Artikel ausgewertet. Das Ergebnis: Es gebe derzeit keinen Beweis dafür, warum Bio-Nahrung konventionellen Lebensmitteln vorzuziehen sei. Zwar gebe es Differenzen beim Nährstoffgehalt, aber diese seien für die Gesundheit von geringer Bedeutung. Pestizide waren nicht berücksichtigt worden.

Die Londoner Studie sei seriös, sagt auch Öko-Experte Urs Niggli. "Ich bin allerdings nicht einverstanden damit, wie rigoros sie die Anzahl der berücksichtigten Studien eingeschränkt hat", betont Niggli. So seien nur Studien aufgenommen worden, die zwischen organischem und konventionellem Anbau verglichen. "Alle, die Bioanbau der integrierten Produktion gegenüberstellten, fielen raus. Das sind allein im Obstbau acht Studien, die alle zeigten, dass der Anteil der gesundheitsförderlichen sekundären Pflanzenstoffe bei Bio höher ist. Dass sie ausgeschlossen wurden, hat das Ergebnis teilweise verfälscht."

Zu einem ganz anderen Resultat kam denn auch die im Mai 2009 beendete, von der Europäischen Union (EU) finanzierte QLIF-Studie (Quality Low Input Food). Die Forscher untersuchten in Feldexperimenten und mit Untersuchungen an Tieren die Qualität von konventionellen und ökologischen Lebensmitteln. Ergebnis: "Wer sich ständig ökologisch ernährt, kann davon ausgehen, dass er über die Nahrung mindestens zehn bis 20 Prozent mehr sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Antioxidantien aufnimmt", fasst Niggli zusammen.

Diese Präventionshelfer für das Herz-Kreislaufsystem fanden sich laut QLIF in höherer Konzentration in zahlreichen Gemüsen wie Kohl, Salat, Kartoffeln und Tomaten. Höhere Werte der für die Gesundheit wichtigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega 3 und Linolsäuren) seien in Biomilch ebenfalls festzustellen. Und: weniger Schwermetalle, Pilzgifte und Pestizidrückstände.

Autor:  Frauke Haß
Datum:  12 | 6 | 2010
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