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19. November 2010

Ökosystem Meer: Der tiefgründige Patient

 Von Oliver Ristau
Korallenriffe sind durch Versauerung der Meere bedroht.  Foto: rtr

Die Ozeane erbringen gigantische Leistungen für den Menschen. Aber egal welche maritimen Sorgenfalten sich Forscher machen, keine sind in den letzten Jahren kleiner geworden. Einen Überblick über den Zustand der Weltmeere gibt nun der erstmals erscheinende "World Ocean Review".

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Die Ozeane erbringen gigantische Leistungen für den Menschen. Aber egal welche maritimen Sorgenfalten sich Forscher machen, keine sind in den letzten Jahren kleiner geworden. Einen Überblick über den Zustand der Weltmeere gibt nun der erstmals erscheinende "World Ocean Review".

Ferienziel, Müllkippe, Rohstoffquelle. Die Ozeane scheinen riesig sowohl in der Ausdehnung als auch in ihrer Leidensfähigkeit. Diese Sicht auf das Ökosystem Meer hat allerdings gravierende Folgen. Egal welche maritimen Sorgenfalten sich Forscher gerade machen, keine sind in den letzten Jahren kleiner geworden. „Es gibt leider kaum gute Neuigkeiten“, sagt Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel.

Mit einer aktuellen Ausnahme. Zusammen mit dem Hamburger Mareverlag haben 250 führende im Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ zusammengeschlossene Meereswissenschaftler am Donnerstag erstmals in deutscher Sprache einen umfassenden Überblick über den Zustand der Weltmeere veröffentlicht. Der „World Ocean Review 2010“ soll nach Wunsch von Verleger Nikolaus Gelpke für die maritime Welt das sein, was der IPCC-Report des Weltklimarates oder der Stern-Report für das Klima waren: Informationsarchive, die aufklären und politisch-wirtschaftliche Akteure zum Handeln veranlassen.

Das ist umso wichtiger, weil die Wissenschaft viele Abläufe und Zusammenhänge im System Meer bisher noch gar nicht in der Tiefe verstanden hat. Das liegt zum einen daran, dass es immer noch viele unerforschte Meeresregionen insbesondere in der Tiefsee gibt. So sind nur zehn Prozent des Meeresbodens bekannt. Zum anderen ist maritime Klimaforschung jünger als etwa die Forschung über den Klimawandel an Land und in der Atmosphäre.

Studien notwendig

Das zeigt sich etwa bei der Versauerung der Ozeane durch den dauernden Eintrag von Kohlendioxid. Doch welche Auswirkungen der Anstieg von CO2 sowie anderer kohlenstoffhaltiger Verbindungen im Meer auf die Tierwelt haben, ist erst in Ansätzen untersucht. Die Kalkskelette mancher Weichtiere wie Korallen werden durch die Versauerung angegriffen. Überrascht hat die Forscher, dass der Nachwuchs des Clownfisches bei höherer CO2-Konzentration Probleme hat, Korallen zu riechen. Wie das alles zusammenhängt, ist unklar. „Weitere Studien sind auch in allen anderen Forschungsbereichen notwendig“, fordert Visbeck.

Die Ozeane erbringen gigantische Leistungen für den Menschen, für die es keine Vergleiche an Land gibt. So speichern die Meere mehr als die Hälfte des vom Menschen jemals freigesetzten Kohlendioxids. Die letzte belastbare Zahl dafür ist aber aus Mangel an Messdaten in vielen Meeresregionen bereits zehn Jahre alt. Im Jahr 2000 hat das Meer per Saldo 1,4 Milliarden Tonnen CO2 aufgesaugt. Mit der Erwärmung des Wassers schwächt sich dessen Fähigkeit zur CO2-Aufnahme ab, da sie zu einer Verlangsamung der Meereszirkulation und damit zu einer geringeren Vermischung führt.

Diese Zirkulation ist für Europa von großer Bedeutung. Transportieren die Wassermassen aus den Tropen des Atlantiks nach Auskunft des World Ocean Reviews doch eine Wärmemenge in Richtung Norden, die dem 600-fachen dessen entspricht, was alle Kraftwerke der Welt erzeugen.

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