Die österreichische Hochschulwelt gerät zurzeit heftig ins Wanken. In der Hauptstadt Wien sind am Mittwoch rund 10.000 Studierende für bessere Studienbedingungen auf die Straße gegangen. Die Demonstration war der vorläufige Höhepunkt landesweiter Proteste.
Seit einer Woche halten Studierende in mehreren Städten der Alpenrepublik Hörsäle besetzt. Auslöser für den Studentenaufstand war die Ankündigung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn, die erst Ende 2008 abgeschafften Studiengebühren wieder einführen zu wollen.
Die Reaktion des akademischen Nachwuchses erinnert stark an deutsche Verhältnisse während des Bildungsstreiks im vergangenen Juni. Zudem kritisieren die österreichischen Studierenden, Seminare und Vorlesungen seien hoffnungslos überlaufen und die Umstellung auf Bachelor und Master eine Katastrophe. Ihr Widerstand richtet sich im Grunde gegen fast alle Bildungsreformen der vergangenen fünf Jahre.
Tatjana Markl aus dem Vorstand der Hochschüler Innenschaft Salzburg formuliert es drastisch: "Die Politik des Wissenschaftsministeriums zielt seit Langem auf die finanzielle Aushungerung der österreichischen Universitäten ab." Minister Hahn soll nach Informationen des Standard am Donnerstagnachmittag zu Gesprächen mit Studierendenvertretern bereit sein. Allerdings ist die Bedeutung eines solchen Treffens zweifelhaft. Während die Studierenden für eine bessere Bildung kämpfen, ist bekanntgeworden, dass Hahn als EU-Kommissar nach Brüssel gehen soll. Wer sein Nachfolger im Wissenschaftsministerium wird, ist bislang unklar.
Um nachzuvollziehen, was sich gerade in den Hochschulstädten Wien, Salzburg, Linz, Graz und Klagenfurt abspielt, muss man nicht in Österreich sein. Über das Internet lassen die Österreicher die ganze Welt teilhaben. Auf Facebook und via Twitter bejubeln sie die Besetzungen diverser Hochschulgebäude und mobilisieren für Demonstrationen.
Aus dem von mehreren hundert Studierenden besetzten Audimax der Universität Wien etwa ist ein Live-Stream geschaltet; Internetnutzer können so die Geschehnisse am Computerbildschirm mitverfolgen.
Auch deutsche Bildungsaktivisten sind aufmerksam geworden. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Solidaritätsbekundungen von Studierendenschaften und anderen Gruppen. Sie schöpfen aus den Protesten ihrer österreichischen Kommilitonen Mut für den zweiten bundesweiten Bildungsstreik am 17. November.
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