Riesengroß und Tonnenschwer sollen sie gewesen sein. Pflanzenfressende Dinosaurier, die vor etwa 70 Millionen Jahren die Erde bewohnten. Die Bonner Paläontologen Koen Stein und Martin Sander haben nun eine Gattung Urtiere entdeckt, die ganz und gar nicht groß waren. Der Insel-Dinosaurier mit dem Namen Magyarosaurus dactus war kaum größer als ein Pferd und damit ein Zwerg unter den Giganten.
"Ein Tier von der Größe eines Pferdes mag den meisten Menschen nicht wie ein Zwerg erscheinen, aber was die Sauroproden - vierfüßige Echsensaurier - betrifft, ist das winzig", sagt Sander. Fossile Knochen, die schon 1895 in Transsilvanien, ein Gebiet im heutigen Rumänien, gefunden wurden, führten die Wissenschaftler nun zu dem Dino-Zwerg. "Es ist erstaunlich, dass die Mikroanatomie der Knochen nach 70 Millionen Jahren immer noch erhalten geblieben ist", sagt Koen Stein.
Es herrschte jedoch lange Verunsicherung darüber, ob es sich bei den Miniknochen bereits um einen ausgewachsenen Dinosaurier handelte oder nur um ein früh verstorbenes Jungtier. Besonders als am Ort der Entdeckung neben den kleinen auch noch große Knochen gefunden wurden, gingen die Forscher bei dem Magyarosaurus zunächst von einem Jungtier aus.
Die Studie, unter Leitung der Universität Bonn, brachte nun den endgültigen Nachweis. "Wir konnten die Erneuerungsmerkmale beim Magyarosaurus unterscheiden und damit beweisen, dass der kleine Dinosaurier ausgewachsen war", erklärt Stein. Die Knochen bauen sich im Laufe des Lebens eines Tieres kontinuierlich ab und wieder auf. Das Ergebnis der Studie wird in Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.
"Die Dinosaurier auf den Inseln unterlagen den selben ökologischen und evolutiven Prozessen wie unsere heutigen Säugetiere", sagt Martin Sander, "außerdem konnten wir nachweisen, dass die größeren Knochen zu einer anderen Saurier-Art gehörten." Ob die großen Tiere jedoch zu der Insel geschwommen kamen oder bereits Vorfahren des Magyarosaurus waren, bleibt jedoch weiter im Dunkeln der Vorzeit verborgen.
Schon der damalige Österreich-ungarische Naturforscher Franz Baron Nopcsa vermutete Anfang des 20. Jahrhunderts zwergenhafte Tiere die sich auf Inseln entwickelten. Viele Fossilien von sehr kleinen Elefanten und Nilpferden, die auf Mittelmeerinseln wie Sizilien, Malta oder Zypern gefunden wurden, geben ihm heute Recht.
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