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Philologenverband: Ausfallrate im Unterricht ist drastisch

Nach Schätzungen des Philologenverbandes fehlen an deutschen Schulen 20.000 Lehrer, bei ständig steigender Tendenz.

Nach Schätzungen des Philologenverbandes fehlen an deutschen Schulen 20.000 Lehrer, bei ständig steigender Tendenz: Noch vor gut zwei Jahren seien es 14 bis 16 000 gewesen. Als Folge werde mehr als eine Million Schulstunden pro Woche nicht regulär gegeben: weil sie ausfallen, als Vertretungsunterricht stattfinden oder nicht von ausgebildeten Pädagogen erteilt werden. Betroffen sind vor allem westliche Bundesländer sowie die sogenannten Mint-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies 2008 zum wiederholten Mal darauf hin, dass die deutsche Lehrerschaft vor Überalterung und Massenpensionierung steht: Auf 100 ältere Pädagogen kommen laut OECD in Deutschland nur 60 junge; im Mittel der Industriestaaten sind es 230. Rund die Hälfte der knapp 800 000 deutschen Lehrer steht vor der Pensionierung.

Die Bundesländer wissen das. Bereits 2003 hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) vorgerechnet, dass sich bis 2015 eine rechnerische Lücke von 75 000 Lehrern auftut. Damals ließen sie auch ausrechnen, wie viele Lehrer jährlich eingestellt werden müssten, um dem Mangel entgegenzuwirken. An ihre eigenen Erkenntnisse gehalten hat sie sich nie. Der Bildungsökonom Klaus Klemm wies 2006 im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach, dass die Bundesländer ihrer eigenen Bedarfsanalyse mächtig hinterherhinken: Binnen vier Jahren hatten sie mehr als 17 000 Lehrer weniger eingestellt als von ihnen selbst vorgeschlagen.

Im vergangenen Jahr hat die Lehrergewerkschaft erstmals seit Jahren keinen Lehrerarbeitsmarkt-Bericht vorgelegt. Anders als in den Vorjahren hätte die Mehrheit der Länder die dazu erforderlichen Basisdaten nicht geliefert. Der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne wirft den Kultusministern vor, die "Dramatik des Pädagogenmangels vertuschen" zu wollen. Angesichts "zunehmender Aggressivität bei den Abwerbungsversuchen unter den Ländern" nehme "offenbar die Auskunftsbereitschaft ab".

Statt dessen bemühen sich die Länder um Positivschlagzeilen: Nach Angaben des NRW- Schulministeriums werden in diesem Jahr rund 4000 neue Lehrer eingestellt. 2855 von ihnen seien bereits seit Beginn dieses Halbjahres am Start, teilte Schulministerin Barbara Sommer (CDU)vor wenigen Tagen in Düsseldorf mit. Jeannette Goddar

Datum:  6 | 2 | 2009
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