Das Pisa-Leak ist kleiner geworden; geschlossen sind die Informationslöcher nicht. Trotz der Drohung der OECD, die Nichteinhaltung der Sperrfrist mit künftigem Ausschluss zu quittieren, sickerten erste Informationen durch. Demnach haben sich Deutschlands 15-Jährige leicht verbessert, in Mathe und in den Naturwissenschaften mehr, beim Lesen weniger. Von einem Platz, der dem Entwicklungsstand Deutschlands entspräche, wären deutsche Schüler damit allerdings immer noch weit entfernt.
Vom Bildungsverlierer zum Klassenprimus?
Prophezeien lassen hätte sich das allerdings auch ganz ohne anonyme Quellen. Schon bei Pisa 2003 und 2006 zeigte sich: Langsam, wenn auch schleichend, geht es seit dem Pisa-Schock von 2001 (Rang 21 von 32!) bergauf. Dabei half auch, dass zuletzt Fächer im Fokus standen, die deutschen Schülern eher entgegenkamen: Zunächst Mathe, dann Naturwissenschaften. Für Jubel fehlte allerdings weiterhin die Basis. Die meisten Fortschritte blieben unter dem wissenschaftlich so wichtigen Niveau statistischer Signifikanz. Vor vier Jahren brach gar ein wüster Streit zwischen „Pisa-Papst“ Andreas Schleicher und dem deutschen Konsortium unter Manfred Prenzel darüber los, ob Deutschland denn nun besser werde oder nicht.
Lesekompetenz:
Einigkeit bestand immer wieder über das Achillesproblem der deutschen Bildungspolitik: Viel zu viele 15jährige können immer noch nur auf Grundschulniveau lesen; zuletzt rund 20 Prozent. Die vierte Pisa-Studie ist die erste, deren teilnehmende Schüler mit Fug und Recht sagen können: Ihr wusstet, was uns blüht - was habt ihr getan? Wer 2009 getestet wurde, wurde beim ersten Durchlauf gerade eingeschult.
Die vierte Pisa-Generation ist auch die erste seit 2000, die gründlich auf ihre Lesekompetenz untersucht wird. Diese gilt als besonders wichtig, weil sie der Schlüssel zum Bildungserfolg ist. Die Lesekompetenz stellt Schulen aber auch vor große Herausforderungen, weil sie vor allem im Elternhaus geprägt wird.
Reformen:
Dass in der deutschen Bildungswelt seither nichts passiert ist, kann man wahrlich nicht behaupten. So wuchs erst nach 2001 die Erkenntnis, dass Bildung vor der Schule beginnt. Inzwischen besucht beinahe jedes dritte Kind unter drei eine Kita; im Alter ab vier werden die meisten auch auf ihre Sprachkenntnisse untersucht. Auch das Ganztagsschulprogramm ist eine Post-Pisa-Erfindung; ebenso die Erkenntnis, dass Hauptschulen vor allem Orte der Perspektivlosigkeit sind.
Ganztagsschule:
Welche der Reformen wie wirkt, ist allerdings bisher kaum bekannt. Einzige Ausnahme ist die Ganztagsschule, für die ein Team rund um den Frankfurter Forscher Eckhard Klieme herausfand: Sie kann fast alle Erwartungen erfüllen – wenn sie gut gemacht ist. Leider ist das oft nicht der Fall. Die Forscher fanden auch heraus: Entscheidend ist nicht, in welchem Bundesland eine Ganztagsschule steht, sondern wie sie arbeitet.
Föderale Unterschiede:
In allen anderen Bildungsbereichen sind die föderalen Unterschiede immens. In der Schulstruktur, deren Erfolge Pisa nicht misst, bietet sich ein bunteres Bild als je zuvor. In der frühkindlichen Bildung gehen die Betreuungsquoten massiv auseinander. Bei der Sprachförderung wenden 14 Bundesländer 17 Testverfahren an, gefolgt von ganz unterschiedlicher Förderung.
Ergebnis und Interpretation:
Der Bildungsföderalismus, soviel steht fest, wird auch heute wieder eine Sternstunde erleben. Weit wichtiger als die Ergebnisse ist schließlich der Kampf um die Deutungshoheit. KMK-Präsident Ludwig Spaenle, Kultusminister Bayerns (CSU), ließ sich am Montag zu der schönen Äußerung hinreißen: „Sollte“ Deutschland nach vorn gerückt sein, wäre das ein „positives Signal.“
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