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Porno-Konsum: „Fantasie bleibt auf der Strecke“

Die Medienwissenschaftlerin Petra Grimm spricht im FR-Interview über den Porno-Konsum und seine Folgen.

Petra Grimm, Medienwissenschaftlerin,  forscht  über  den Porno-Konsum von Jugendlichen.
Petra Grimm, Medienwissenschaftlerin, forscht über den Porno-Konsum von Jugendlichen.
Foto: Privat

Frau Grimm, stimmt es, dass vor allem für männliche Jugendliche Pornos normal und Bestandteil des täglichen Medienkonsums sind?

Die Befragung der Jugendlichen zeigt, dass Pornos mittlerweile zu ihrem Internet-Alltag gehören, wobei Jungen Pornografie häufiger und eher gezielt ansehen als Mädchen. Pornos schaut man insbesondere dann an, wenn man gerade keine Beziehung mit einem Mädchen hat. Je stärker man beziehungsorientiert ist und Intimität in einer Partnerschaft erlebt, desto weniger nutzt man Pornos.

Auf welchen Internet-Seiten sind die Jugendlichen unterwegs?

Sie geraten zum einen unabsichtlich, zum anderen gezielt an pornografische Inhalte. Ein häufig genannter Fall ist, dass man in Chats eines sozialen Netzwerks, in dem man Mitglied ist, Links von Unbekannten geschickt bekommt, die dann auf sexualisierte Inhalte verweisen. Der andere Fall ist das Auftauchen von entsprechender Werbung. Auch durch Handy-Videos, die in der Schule von Schulkameraden gezeigt und weitergegeben werden, kommen die Jugendlichen mehr oder weniger unabsichtlich in Kontakt mit Pornografie. Absichtsvoll aufgesucht werden ausschließlich kostenlose Angebote wie zum Beispiel youporn.com, redtube.com oder xvideo.com. Dabei ist youporn.com die bekannteste und am häufigsten genannte Seite, die so gut wie jeder männliche Jugendliche kennt und schon mindestens einmal besucht hat. Da es sich hier um ausländische Anbieter handelt, die sich an keine Jugendschutzbestimmungen halten, ist der Zugang leicht.

Was suchen die Jugendlichen?

Die Jungen nennen zwei Hauptmotive: Erstens das Lernen, vor allem über Sexualität und den weiblichen Körper allgemein; zweitens die sexuelle Erregung. Auch soziale Motive spielen eine Rolle: Porno-Kenntnisse fungieren vor allem bei den jüngeren Jungen als symbolisches Kapital in der Clique – um anzugeben, cool zu wirken – und sind Voraussetzung, um mitreden zu können.

Wie beeinflusst denn früher Porno-Konsum die Jugendlichen in ihrer sexuellen Entwicklung?

Die männlichen Jugendlichen stehen unter einem sexuellen Leistungsdruck, der vermutlich durch die Pornos verstärkt wird. Sie meinen, sie müssten auch schon beim ersten Mal über sexuelle Erfahrung verfügen, die sie per definitionem noch gar nicht haben können. Sie hoffen, durch den Porno-Konsum die fehlenden Erfahrungen ersetzen zu können.

Mit welchen Folgen?

Gerade in der Phase der Entwicklung sexueller Vorlieben, in der sich die Jugendlichen befinden, kann der exzessive Konsum von Pornografie bestimmte Risiken bergen. Pornos können ihre Vorstellung von der Realität prägen und davon, welches sexuelle Verhalten als normal gilt. Es besteht die Gefahr, dass das Individuelle und Persönliche in der Sexualität und die Entwicklung eigener Fantasien auf der Strecke bleiben. Den Jugendlichen wird keine Zeit gelassen, spielerisch und neugierig ihre eigene Herangehensweise an Sexualität und Partnerschaft zu entdecken, wenn sie bereits in einem sehr frühen Alter die Drehbücher und Modelle aus der Pornografie verinnerlicht haben.

Welche Unterschiede gibt es hier zwischen Jungen und Mädchen?

Pornografie gilt für die Jungen als normal und steht im Mittelpunkt des Interesses, wenn es um sexualisierte Medieninhalte geht. Erotik ist für sie langweilig und uninteressant. Die Mädchen kommen mit pornografischen Inhalten zwar in Berührung. Sie gehören zur alltäglichen Internet-Erfahrung. Mädchen lehnen sie aber ab und finden sie „eklig“ und abstoßend. Für sie liegt die Schwelle zur Pornografie viel niedriger. Alles, was nicht als ästhetisch-schön, sondern als nuttig gilt, wird abgelehnt und mit Pornografie assoziiert. Schöne erotische Bilder werden von Mädchen hingegen positiv bewertet.

Interview: Sabine Hamacher

Datum:  2 | 9 | 2010
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