Es gibt auf dem internationalen Diplomaten-Karussell wohl derzeit keinen undankbareren Job als den, den Christiana Figueres übernehmen wird. Die neue Chefin des UN-Klimasekretariats muss nach dem gescheiterten Kopenhagen-Gipfel die Scherben zusammenkehren und wieder fest zu einem Behältnis zusammenkitten, das künftig die Wünsche und Forderungen aller trägt: die der Industrienationen ebenso wie die der Schwellenstaaten und Entwicklungsländer. Am 1. Juli wird die Costa Ricanerin ihr Amt antreten. Dann hat sie noch genau ein halbes Jahr Zeit bis zum Gipfel im mexikanischen Cancún, um für alle Beteiligten tragbare Positionen zu entwickeln und so die Voraussetzungen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls ab 2012 zu schaffen.
Man muss wahrscheinlich so viel Politikergene in sich tragen wie die 53 Jahre alte Diplomatin, um Spaß an einem so schwierigen Job zu haben. Figueres ist Tochter des dreimaligen Präsidenten Costa Ricas, José Figueres. Auch ihr Bruder José María Figueres hat einmal dem zentralamerikanischen Staat als Staatschef gedient. Die Diplomatin selbst, die den Niederländer Yvo de Boer beerbt, der Mitte Februar entnervt aufgab, ist seit Jahren eine international angesehene Expertin in Klimafragen.
Figueres beschäftigt sich seit 15 Jahren mit Umweltfragen und gehörte seit 1995 der Verhandlungsdelegation ihres Landes für das Kyoto-Protokoll an. Sie bekleidete lange Jahre Regierungsämter und arbeitete als unabhängige Umweltberaterin. 2008/2009 wurde sie zur Vize-Präsidentin des UN-Klimarates berufen.
Mit Figueres tritt zum ersten Mal die Vertreterin eines Schwellenlandes an die Spitze des UN-Klimarates. Lange Zeit galt der südafrikanische Tourismusminister Marthinus van Schalkwyk als Favorit. Doch in den vergangenen Wochen machten sich vor allem eine Handvoll kleiner Inselstaaten für Figueres stark, was schließlich den Ausschlag dafür gab, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Costa Ricanerin an die Spitze des Klimarates berief.
Die Inselstaaten, denen durch die Klimaveränderungen der Untergang droht, wollten lieber den Repräsentanten eines kleinen Landes an der Spitze des UN-Gremiums sehen. Sie denken, dass Costa Rica ihre Interessen besser vertritt als Südafrika, zumal die Südafrikaner zusammen mit Brasilien, Indien und China in Kopenhagen als große Bremser bei der Verringerung der Treibhausgase auftraten. Figueres ist sich ihrer schweren Aufgabe bewusst: "Es gibt kein wichtigeres oder dringenderes Thema, als das Klima auf unserem Planeten für unsere Kinder und Enkel zu schützen." Das Ziel teilen alle Staaten, über den Weg dahin gibt es fast so viele Vorstellungen wie Länder.
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