Die Idee vom längeren gemeinsamen Lernen macht Schule. Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein können schon seit einem Jahr eine Gemeinschaftsschule besuchen. In Thüringen haben jetzt CDU und SPD in ihrem Entwurf zum Koalitionsvertrag vereinbart, ein ähnliches Modell auf den Weg zu bringen. An Thüringer Gemeinschaftsschulen sollen Schüler künftig mindestens von der ersten bis zur achten Klasse zusammen büffeln.
SPD-Landesvorsitzender Christoph Matschie hat das Thema Bildung zur Chefsache erklärt und gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Bildungsministers im Freistaat. Die Thüringer Gemeinschaftsschule ist nicht erst seit der zurückliegenden Landtagswahl sein großes Projekt. Bereits 2004 zogen er und seine Genossen damit in den Wahlkampf - und scheiterten. In diesem Jahr eröffnet sich ihm nun ausgerechnet mit den Christdemokraten eine neue Chance. Das Konzept der SPD sieht ein gemeinsames Lernen mindestens bis zur achten Klassenstufe vor. Dann sei ein erster Schulabschluss möglich, der Realschulabschluss nach der zehnten Klasse. Darüber hinaus könne die Gemeinschaftsschule durch eine gymnasiale Oberstufe erweitert werden. Andernfalls müssten die Gemeinschaftsschulen eng mit einem Gymnasium kooperieren, um den Schülern das Abitur zu ermöglichen. Grundschulen sollen sowohl organisatorisch als auch räumlich in die Gemeinschaftsschule eingebunden werden.
Matschie leitet seine Überzeugung, mit der Gemeinschaftsschule auf dem richtigen Weg zu sein, aus Umfragen unter der Bevölkerung und persönlichen Gesprächen ab. Demnach verlangten zwei Drittel der Thüringer nach längerem gemeinsamen Lernen. "Sie haben zu DDR-Zeiten bis zur achten, später sogar bis zur zehnten Klasse mit ihren Schulkameraden gelernt. Das ist für viele Menschen eine positive Erfahrung und daran knüpfen wir an", so Matschie gegenüber der FR. Doch auch Gymnasien sowie Haupt- und Realschule, die in Thüringen unter einem Dach vereint sind, sollen weiter bestehen. Gemeinschaftsschule ja oder nein - das sollen Schüler, Eltern, Lehrer und Kommunen vor Ort entscheiden. Matschie: "Gute Schule gelingt nur, wenn die Beteiligten sie wollen." Frühestens zum Schuljahr 2010/2011 könne die erste Gemeinschaftsschule starten.
Als "halbherzig" bezeichnet Barbara Lippert, Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen, die Koalitionspläne. Die GEW fordert "eine Schule für alle". Neben der Gemeinschaftsschule haben CDU und SPD noch andere ambitionierte Ziele in ihrem Entwurf zum Koalitionsvertrag. So soll die 2007 eingeführte Verwaltungsgebühr von 50 Euro, die Studierende semesterweise berappen müssen, wieder abgeschafft werden. Auch Forderungen wie das Recht auf einen Kita-Platz nach dem ersten Lebensjahr und 2000 neue Erzieherstellen sind in den Koalitionsvertrag übernommen worden. Wie all dies aber finanziert werden soll, ist bislang unklar.
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