Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen." Mit diesem Zitat Benjamin Franklins, eines der Gründerväter der Vereinigten Staaten, wirbt eine Promotionsberatung aus Saarbrücken. Andere Anbieter kommen gleich zur Sache und versprechen die "perfekte Doktorarbeit" und "Promovieren leicht gemacht". Wer die eigene Laufbahn mit dem höchsten akademischen Grad ohne große Mühe und Zeitaufwand krönen möchte, wird im Internet rasch fündig.
Zahlreiche Anbieter tummeln sich inzwischen auf dem Markt der Eitelkeiten. Dabei geht es vor allem ums Image. Um einer wissenschaftlichen Karriere willen versucht hier kaum jemand, an einen Titel zu heranzukommen.
Wie die Unternehmensberatung Kienbaum vor einigen Jahren ermittelte, lässt sich mit einem "Dr." im Rücken 15000 Euro pro Jahr mehr verdienen als mit einem Diplom oder einem Master. Zum finanziellen Anreiz kommt der wachsende Druck hinzu, das berufliche Ansehen steigern zu müssen: Je mehr Doktoren sich etwa in der Führungsebene eines Unternehmens tummeln, die man selbst erklimmen will, desto wichtiger wird der Grad. Besonders unter Zugzwang stehen nach wie vor auch Mediziner; schließlich ist ein Arzt ohne Titel für viele Patienten undenkbar.
Nicht allen Kandidaten aber steht der klassische Weg zur Promotion, der über die Universität führt, offen. Eine Promotion dauert in der Regel zwei bis fünf Jahre und ist damit vielen, die sich in dieser Zeit weiter finanzieren müssen, zu lang. Andere stehen vor verschlossenen Türen, weil sie ihren Abschluss an einer Fachhochschule gemacht haben oder nicht die gewünschten Examensnoten vorweisen können, die die jeweilige Promotionsordnung je nach Fach und Hochschule gerade verlangt. Und selbst wenn all dies nicht der Fall ist, heißt das für externe Bewerber noch lange nicht, dass sie einen Doktorvater finden, der sich bereit erklärt, sie mehrere Jahre zu betreuen.
EU leistete Vorschub
In diese Lücke springen nun diverse Berater, die seit einigen Jahren aus dem Boden sprießen. Eine Lösung für Titelsuche hat ihnen dabei praktischerweise die EU gewiesen. Vor allem osteuropäische Universitäten etwa in Tschechien oder Ungarn machen inzwischen ein riesiges Geschäft mit der Promotionsvermittlung. Professoren erklären sich hier immer öfter bereit, gegen gutes Geld Dissertationen deutscher Kandidaten zu betreuen und ihnen in kürzester Zeit zu einem guten Abschluss zu verhelfen. Das ist zwar teuer; Kunden zahlen dafür leicht Summen im fünfstelligen Bereich. Sofern sie ihre Arbeiten aber selbst verfassen, ist das Geschäft zumindest nicht illegal.
Tatsächlich durften akademische Titel ausländischer Hochschulen lange nur in der Originalform und mit Verweis auf den Ort des Erwerbs geführt werden. Seit ein paar Jahren aber gilt diese Regelung für EU-Länder und einige weitere Staaten nicht mehr. Titel, die via Vermittlung im Osten erworben wurden, sind somit offiziell nicht weniger wert als ihr deutsches Pendant. Moralisch, aber nicht rechtlich lässt sich beanstanden, wenn dabei Beratungsfirmen Kontakt zu einem hiesigen oder ausländischen Doktorvater herstellen und einen Kunden bei der Auswahl eines geeigneten Promotionsthemas beraten. Berater dürfen auch noch bei der Erstellung eines Exposés helfen und einen Kandidaten auf einen möglichen Aufnahmetest für ein Promotionsstudium beraten.
Soweit, so legal. Anders sieht es natürlich aus, wenn eine Doktorurkunde an einer nicht international anerkannten oder gar Phantasieuniversität erstellt wurde, skurrilstes Beispiel der vergangenen Jahre ist sicher der "doctor of divinity" ("Heiligkeit oder Theologie") den eine amerikanische Kirche vergab. Wer sich auf der Visitenkarte einen "Dr", der in Deutschland nicht anerkannt ist, vor den Namen setzt, macht sich strafbar; er oder sie kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr, ganz sicher aber mit einer saftigen Geldstrafe rechnen. Wer hier auffliegt, verliert Ansehen und Titel. Um dies zu vermeiden, sollte eine Beraterfirma somit möglichst früh auf Seriösität abgeklopft werden: Lernt ein Kandidat weder Doktorvater noch Hochschule persönlich kennen und wird eine Promotion in unter zwölf Monaten versprochen, ist ganz sicher etwas faul.
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