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Nachrichten aus Wissenschaft und Bildung

30. Dezember 2011

Prost Neujahr!: Wenn Tiere Alkohol trinken

 Von Kerstin Viering
Nur ein winziger Schluck... Ein Mohrenkopfpapagei nippt an einem alkoholischen Getränk. Foto: imago

Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen mit einem Faible für alkoholische Getränke. Auch Tiere mögen Alkohol - Fledermäuse in den Tropen sind besonders trinkfest.

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Sherry zur Suppe, Weißwein zum Fisch, Champagner zum Huhn und Portwein zum Obst – auch in diesem Jahr wird Butler James im Silvester-Kultsketch „Dinner for One“ wieder feststellen, dass ihn dieses Programm doch leicht überfordert. Und so manchem echten Partygast dürfte es zu Silvester nicht viel anders gehen. Bei wenigen anderen Gelegenheiten wird traditionell so häufig angestoßen wie zum Jahreswechsel. Doch wer Alkoholgenuss für eine menschliche Erfindung hält, täuscht sich.

Manche Tiere sind sogar wesentlich trinkfester als Homo sapiens. Einige der lästigsten Alkohol-Fans kennt jeder Biergartenbesucher, der schon einmal kleine, schwarze Insekten aus seinem Glas gefischt hat. Die Fruchtfliegen der Gattung Drosophila scheinen sich von Bier magisch angezogen zu fühlen. Zuerst folgen sie dem Geruch und sobald sie auf dem Glas gelandet sind, kommt ihr Geschmackssinn zum Einsatz. Erst kürzlich haben Insektenforscher um Anupama Dahanukar von der University of California einen speziellen Rezeptor entdeckt, der mit Nervenzellen im Mundbereich der Insekten verbunden ist.

Er spricht auf die süßlich schmeckende Verbindung Glycerin an, die bei der Gärung entsteht und daher im Bier enthalten ist. Und sobald er dem Nervensystem der Tiere diese Substanz meldet, sind die Plagegeister kaum noch zu vertreiben.

Schlüssel im Erbgut

Dabei können sie genauso betrunken werden wie Menschen auch. Wenn alkoholselige Insekten beim Fliegen das Gleichgewicht verlieren und unkoordiniert zu Boden trudeln, sind das deutliche Anzeichen für zu viele Promille im Körper. Allerdings haben manche Fliegen viel weniger mit solchen Ausfällen zu kämpfen als andere.

Der Schlüssel für ihre Trinkfestigkeit liegt offenbar in ihrem Erbgut. Dort haben Henrike Scholz und ihre Kollegen von der Universität Würzburg 2005 ein Gen entdeckt, das sie nach dem englischen Wort für einen alkoholbedingten Kater auf den Namen „Hangover“ getauft haben. Diese Erbinformation sorgt offenbar dafür, dass die Tiere ähnlich wie menschliche Gewohnheitstrinker mit der Zeit immer größere Alkoholmengen vertragen. „Hangover“ sei Dank ist der zweite Rausch schon längst nicht mehr so schlimm wie der erste. Wenn das Gen nicht richtig funktioniert, wird aus einer Fliege dagegen nie ein echter Kampftrinker.

Halb weggetretene Igel, torkelnde Elefanten

Elefanten, die von vergorenen Früchten berauscht durch die Savanne wanken, gehören ins Reich der Legenden, sagen Forscher.
Elefanten, die von vergorenen Früchten berauscht durch die Savanne wanken, gehören ins Reich der Legenden, sagen Forscher.
Foto: dpa

Insekten sind aber nicht die einzigen Tiere, die mitunter besoffen durch die Gegend torkeln. Aus Großbritannien kommen zum Beispiel immer wieder Berichte über halb weggetretene Igel, die mit Bier gefüllte Schneckenfallen ausgetrunken haben. Und viele Afrika-Reisende haben schon von Elefanten erzählt, die angeblich von den vergorenen Früchten des Marula-Baums berauscht über die Savanne wankten.

Diese Geschichten haben Steve Morris und seine Kollegen von der University of Bristol in Großbritannien allerdings ins Reich der Legenden verwiesen. Denn zum einen fressen die Dickhäuter die mirabellengroßen Früchte fast nur frisch vom Baum. Auf dem Boden liegende Exemplare, die nach drei oder vier Tagen Gärung tatsächlich rund drei Prozent Alkohol enthalten können, verschmähen sie dagegen meist. Doch selbst wenn sie sich mit dem halb vergammelten Obst anfreunden könnten, müssten die massigen Tiere nach Berechnungen der Forscher schon das Vierfache einer normalen Tagesration in sich stopfen, um sich einen merklichen Rausch anzufressen.

Dennoch fallen im Umkreis von Marula-Bäumen tatsächlich immer wieder torkelnde Elefanten auf. Experten vermuten, dass diese Tiere Rinde von den Stämmen geschält und dabei giftige Käferpuppen mitgefressen haben. Die darin enthaltenen Substanzen scheinen auf das Nervensystem zu wirken, so dass die Dickhäuter vorübergehend ihre Schritte nicht mehr richtig unter Kontrolle haben.

Echte Alkoholika für die Tierwelt

Brauer und Winzer

Anders als Tiere sind Menschen schon seit Jahrtausenden nicht mehr auf zufällig vergärende Früchte angewiesen, wenn sie Alkohol zu sich nehmen wollen.

So vermuten Wissenschaftler, dass Menschen schon bald nach der Entdeckung des Getreides auch das Bierbrauen erfunden haben.

Bereits um 10.000 vor Christus begannen die Bewohner des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds im Nahen Osten mit dem Ährensammeln, Tausend Jahre später bauten sie dann auch Gerste und Weizen an. Einen daraus hergestellten Brei musste man nur ein paar Tage stehen lassen, bis er zu gären begann.

Die ältesten bisher gefundenen Überreste von Bier stammen aus der Zeit zwischen 3500 und 2900 vor Christus und wurden im heutigen Iran und in Ägypten entdeckt.

Nicht lange nach der Erfindung des Biers haben findige Alkoholtrinker auch herausgefunden, dass man aus Honig Met und aus Fruchtsaft Wein gewinnen kann. Schon vor mindestens 7000 Jahren züchteten Bauern im Süden des Irak die ersten Reben aus wildem Wein. (kv.)

Im Regenwald von Malaysia werden dagegen echte Alkoholika an die Tierwelt ausgeschenkt. Die dafür zuständigen Trinkhallen haben Frank Wiens und Annette Zitzmann von der Universität Bayreuth entdeckt, als sie die Blüten der Bertram-Palme Eugeissona tristis unter die Lupe nahmen. „Diese Palme braut ihr eigenes Bier“, erläutert Frank Wiens. Ihre Knospen produzieren reichlich Nektar, der von verschiedenen Hefearten vergoren wird und dann bis zu 3,8 Prozent Alkohol enthält. Dieser Wert ist einer der höchsten, die jemals in einem natürlichen Nahrungsmittel gefunden wurden und durchaus vergleichbar mit Bier aus menschlicher Produktion. Entsprechend wabert auch ein deutlicher Alkoholduft um die Blüten – und den finden etliche Säugetiere sehr reizvoll. Sieben Arten haben die Forscher als regelmäßige Gäste in der Palmenbrauerei identifiziert.

Fledermäuse sind trinkfest

Der größte Fan des gehaltvollen Drinks scheint dabei das Federschwanz-Spitzhörnchen Ptilocercus lowii zu sein. In den Haaren dieser Tiere fand sich die beim Alkoholabbau entstehende Verbindung Ethylglucuronid in solchen Mengen, dass man beim Menschen einen lebensbedrohlichen Alkoholismus diagnostizieren müsste.

Auch Fledermäuse sind trinkfest, haben Dara Orbach von der University of Western Ontario in Kanada und Kollegen festgestellt. In Belize haben die Biologen sechs frucht- und nektarfressende Arten gefangen, darunter verschiedene Fruchtvampire der Gattung Artibeus und die Blütenfledermaus Glossophaga soricina.

Beliebter Cocktail

Hicks: Eine Blütenfledermaus trinkt aus einer Hibiskusblüte.
Hicks: Eine Blütenfledermaus trinkt aus einer Hibiskusblüte.
Foto: dpa/Corinna U. Koch

Ein Teil der Tiere bekam reines Zuckerwasser, der Rest den gleichen Drink mit Alkohol versetzt. Die Alkoholtrinker durften von diesem in Fledermauskreisen äußerst beliebten Cocktail so viel zu sich nehmen, dass ihr Blutalkoholgehalt anschließend bei 1,1 Promille lag. Bei einem Menschen wäre der Führerschein da längst weg gewesen. Doch die alkoholisierten Fledermäuse überraschten die Forscher. „Sie fingen zum Beispiel nicht an zu lallen wie wir erwartet hatten“, berichtet Dara Orbach in der Fachzeitschrift Bats.

Die Ultraschall-Rufe, mit deren Hilfe die Tiere ihre Beute orten und um Hindernisse herum navigieren, klangen vielmehr genau wie die der nüchternen Artgenossen. Und auch beim Fliegen durch einen Hindernisparcours schlugen sich die geflügelten Trinker erstaunlich gut.

Flugtüchtigkeit erhalten

„Der Alkohol beeinflusste weder ihre Manövrierfähigkeit, noch ihre Bereitschaft zu fliegen oder die Zeit, die sie für den Parcours brauchten“, erläutert Dara Orbach. Die Forscher vermuten, dass sich gerade in den Tropen besonders viele trinkfeste Fledermausarten entwickelt haben.

Schließlich lässt das heiße Klima Früchte und Nektar dort besonders schnell gären, so dass Alkohol für die dortigen Flattertiere zum Alltag gehören dürfte. Stundenlang hilflos betrunken herumzuhängen, können sie sich angesichts der überall lauernden Feinde aber nicht leisten. Also haben sie im Laufe der Evolution Stoffwechseltricks entwickelt, um ihre Flugtüchtigkeit zu erhalten. Wenn Butler James wieder schwankend über das Tigerfell stolpert, dürfte er sie beneiden.

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