Mehr als 700 Planeten bei anderen Sternen haben die Astronomen in den vergangenen 16 Jahren aufgespürt. Doch bislang blieb die Frage offen, wie häufig Sterne von Planeten umkreist werden. Nach sechs Jahren intensiver Überwachung von mehreren Millionen Sternen präsentiert ein internationales Forscherteam nun die Antwort: Im Mittel besitze jeder Stern in der Milchstraße mindestens einen Planeten, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Nature.
„Unsere Daten zeigen, dass es in der Milchstraße mehr Planeten gibt als Sterne“, erläutert Arnaud Cassan vom Institut d’Astrophysique de Paris. „Außerdem haben wir herausgefunden, dass leichtere Planeten wie Super-Erden oder kühle Neptuns häufiger vorkommen als schwere.“ Bei den bislang entdeckten Exoplaneten gibt es eher ein Übergewicht massereicher Riesenplaneten, aber das liege an einem Auswahleffekt der verwendeten Methoden. Denn die meisten der Exoplaneten haben sich entweder verraten, weil sie mit ihrer Schwerkraft an ihrem Zentralstern zerren und ihn so zum Torkeln bringen, oder weil sie von der Erde aus gesehen regelmäßig vor dem Stern vorüberziehen.
Nicht allein in der Milchstraße
Die Untersuchung von Cassan und seinen Kollegen basiert dagegen auf dem so genannten Mikro-Gravitationslinseneffekt. Dabei registrieren die Forscher die Lichtablenkung im Schwerefeld von Sternen und Planeten – sie führt dazu, dass die Helligkeit von im Hintergrund eines Planetensystems liegenden Sternen Schwankungen zeigt. Die Methode erlaubt den Nachweis von Planeten über einen weiten Bereich von Massen und Bahndurchmessern.
Die statistische Analyse der in den Jahren 2002 bis 2007 gesammelten Lichtkurven einiger Millionen Sterne zeigt, dass 62 Prozent der Sterne eine Super-Erde mit der fünf- bis zehnfachen Masse der Erde und 52 Prozent der Sterne einen kühlen neptunähnlichen Planeten mit der zehn- bis dreißigfachen Erdmasse besitzen. Die Daten lassen vermuten, so die Forscher, dass erdähnliche Planeten sogar noch häufiger sind als Super-Erden. „Früher haben wir gedacht, die Erde sei einzigartig in der Milchstraße“, so Daniel Kubas, ein Mitglied des Teams. „Doch es scheint Milliarden von Planeten mit Massen ähnlich der Erde zu geben, die Sterne in der Galaxis umkreisen.“ (wsa)
DOI: 10.1038/nature10684
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