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13. Dezember 2012

Regenwald: Riesige Artenvielfalt auf kleinstem Raum

Der Elefantenkäfer (Megasoma elephas) lebt im Regenwald Panamas. Foto: dpa

Sie kriechen über den Urwald-Boden und erklimmen mit Kränen und Helium-Ballons die Baumkronen. Zwei Jahre lang gehen Forscher im Regenwald auf Tiersuche - und entdecken eine verblüffende Vielfalt.

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Sie kriechen über den Urwald-Boden und erklimmen mit Kränen und Helium-Ballons die Baumkronen. Zwei Jahre lang gehen Forscher im Regenwald auf Tiersuche - und entdecken eine verblüffende Vielfalt.

Erlangen –  

Regenwälder weisen nach einer neuen Studie selbst auf kleinstem Raum eine unerwartet hohe Artenvielfalt auf. Bereits auf einem Hektar Tropenwald kämen 60 Prozent der in solchen Ökosystemen heimischen Insekten- und Spinnenarten vor, schreiben Forscher in der US-Wissenschaftszeitschrift „Science“.

Die Forscher hatten in den Jahren 2003 bis 2005 im San Lorenzo Nationalpark im mittelamerikanischen Panama zwölf jeweils 400 Quadratmeter große Flächen intensiv untersucht. Inzwischen seien viele der dabei entdeckten Arten beschrieben.

„Im Grunde genommen brauchen Sie gar nicht tief in den Regenwald gehen. Selbst nach nur 50 Metern können Sie schon einen großen Teil der im Regenwald lebenden Gliederfüßer-Arten erwarten“, sagte der Biologe Jürgen Schmidl von der Universität Erlangen-Nürnberg am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

Mehrwöchige Forschungseinsätze im Regenwald

Schmidl war an dem unter anderem vom Smithonian Tropical Research Institute geleiteten internationalen Forschungsprojekt beteiligt, zusammen mit 100 anderen Wissenschaftlern. Gliederfüßer, zu denen auch die Insekten und Spinnentiere gehören - machen rund drei Viertel der auf der Erde vertretenen Tierarten aus, wie Schmidl erläutert. In der Natur dienen sie als Nahrungsgrundlage für andere Arten. Zudem sorgten sie für den Abbau von abgestorbenen Pflanzen und Altholz und spielten unter anderem eine wichtige Rolle bei der Blütenbestäubung.

Die Forscher hatten die Probeflächen in Panama zwei Jahre unter die Lupe genommen. Anschließend hätten sie allerdings zur Bestimmung der fast 130 000 erfassten Gliederfüßer-Exemplare aus über 6 000 Arten noch mehrere Jahre gebraucht, berichtete Schmidl. Bei den mehrwöchigen Forschungseinsätzen im Regenwald hätten sie vom Boden bis zu den Baumkronen sämtliche erreichbaren Insekten und Spinnen gesammelt. Zusätzlich setzten sie Fallen ein. Um an die in den Baumkronen lebenden Arten zu kommen, nutzten die Forscher unter anderem Kräne, aufblasbare Plattformen und Heliumballons.

Die Forscher konnten errechnen, dass bereits auf einem Hektar des 6000 Hektar großen Regenwaldes 60 Prozent der Gliederfüßerarten vorkommen - allerdings nicht zugleich, sondern im Laufe der Zeit, wenn sie auf der Suche nach verstreuter Nahrung den Regenwald großflächig durchstreiften. Insekten und Spinnen seien höchst mobil.

Schmidl warnt daher vor dem Schluss, wegen der hohen Artenvielfaltdichte reichten bereits kleinere Regenwaldgebiete zum Schutz der Tiere aus. Das Forschungsprojekt habe vielmehr gezeigt, dass nur große zusammenhängende Regenwaldgebiete die Vielfalt sicherten. „Am problematischsten ist es, Regenwaldgebiet etwa mit Straßen, breiten Trassen oder Waldrodungen zu durchschneiden, wie es in Tropenwaldgebieten oft für die Viehhaltung oder den Soja-Anbau geschieht. Dies gefährdet durch Isolation der verbleibenden Waldteile die Vielfalt der Arten“, betonte der Erlanger Biologe. (dpa)

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