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15. Dezember 2008

Schlacht im Teutoburger Wald: Forscher entdecken Schlachtfeld

Auf dem Gelände mit einer Ausdehnung von 1,5 Kilometern Länge und 500 Metern Breite haben Archäologen seit dem Sommer rund 600 Stücke aus dem dritten Jahrhundert ausgegraben. Darunter sind für die Datierung wichtige Münzen, aber auch Pfeilspitzen.  Foto: dpa

Historiker gingen bisher davon aus, dass sich die Römer nach ihrer Niederlage nicht mehr ins damalige Germanien gewagt haben. Durch den Fund im Harz muss die Geschichte neu geschrieben werden.

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Kalefeld-Oldenrode. Der Waldhang im südniedersächsischen Kalefeld ist mit grünen und gelben Tennisbällen übersät: Jeder der auf einer Stange befestigten Bälle steht für den Fundort eines Katapultbolzens, einer Pfeilzspitze oder einer römischen Münze.

Die rund 600 Fundstücke stammen höchstwahrscheinlich von römischen Legionären, die sich hier im dritten Jahrhundert nach Christus eine erbitterte Schlacht mit aufständischen Germanen geliefert haben sollen. Am Montag wurde das Schlachtfeld am Westrand des Harzes öffentlich vorgestellt.

Die Tennisbälle zeigten einen "Jahrhundertfund von europäischer Bedeutung" an, sagte Kreisarchäologin Petra Lönne bei der Präsentation der ersten Grabungsergebnisse in Kalefeld-Oldenrode im Landkreis Northeim.

Die Grabungsstätte offenbare das Geheimnis von "Roms vergessenem Feldzug": Die römischen Besatzungstruppen haben sich nach der Niederlage in der berühmten Schlacht im Teutoburger Wald offenbar nicht hinter ihrem Grenzwall in Süddeutschland, dem Limes, versteckt. Von einer "wissenschaftlichen Sensation" sprach gar Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU).

Wahrscheinlich muss die Geschichte des schwächelnden Römischen Reichs im dritten nachchristlichen Jahrhundert nun neu geschrieben werden. Gingen die Historiker bislang davon aus, dass sich die Römer nach der verheerenden Niederlage im Teutoburger Wald im Jahre 9 nach Christus nicht mehr über den als Limes bekannten Schutzwall in das Gebiet der Germanen trauten, wird diese These von den neuen Funden widerlegt.

Germanen sollen sich auf Hügel verschanzt haben

Offenbar waren die Römer viel mutiger als bislang gedacht: Wegen der Vielzahl der in lediglich bis zu 40 Zentimetern Tiefe gefundenen Waffenteile geht Kreisarchäologin Lönne davon aus, dass es sich um ein antikes Schlachtfeld handelt. Auch die Axt eines römischen Pioniers, Pferde- und Wagengeschirr sowie Sandalennägel wurden gefunden. Als bislang sicherster Datierungshinweis gilt eine Münze mit dem Abbild des römischen Kaisers Commodus, der von 180 bis 192 regierte. Experten legen die Schlacht am Harzrand daher auf die Jahre 180 bis 260.

"Wir gehen davon aus, dass sich die Germanen auf diesem Hang verschanzt hatten", sagte Lönne und zeigt auf die große Anzahl von Tennisbällen. Von unten aus dem Tal hätten die Römer - schätzungweise rund 1.000 - die Germanen offenbar beschossen. Im kommenden Jahr sollen mit Hilfe von Archäologen von der Freien Universität Berlin auch Tiefenausgrabungen auf dem 1,5 Kilometer langen und 500 Meter breiten Waldstück stattfinden. Eventuell kämen dann auch Gräber zutage, sagte Lönne. Die Ausgrabungen könnten auch feststellen, wer als Sieger aus der Schlacht hevorging.

Neuen Blick auf Quellen werfen

"Wir müssen einen neuen Blick auf die Quellen werfen", sagte Günther Moosbauer, Althistoriker von der Universität Osnabrück. Er hält den Schlachtplatz für einen Teil eines Rachefeldzugs der Römer, nachdem die Alemannen etwa im Jahr 235 im Gebiet des heutigen Hessen über den Limes gekommen waren. Nach seinen Erkenntnissen waren sogar syrische Bogenschützen als Söldner in römischen Diensten zur Strafexpedition gegen die Germanen aufgeboten worden.

Wegen der vielen gut erhaltenen Fundstücke glaubt Moosbauer, dass die Römer das Gefecht gewonnen haben. In Kalkriese, dem möglichen Schlachtort im Teutoburger Wald, sei eine Armee zugrunde gegangen: "Bei der römischen Armee am Harzrand kann man davon ausgehen, dass die Legionäre den Weg zurück gefunden haben." Rolf Peter Dix hat die archäologische Sensation acht Jahre lang nichtsahnend in seinem Wohnzimmerschrank aufbewahrt. "Ich dachte, das käme aus dem Mittelalter", sagt der 63-jährige Hobbyarchäologe.

Der Rentner hatte bereits im Jahr 2000 die ersten zehn Speerspitzen und Katapultgeschosse mit seiner Metallsonde gefunden, sie aber für relativ wertlos gehalten. Erst nachdem ein Kollege in diesem Jahr Teile ins Internet stellte, wurde Dix die Bedeutung des Fundes klar. Er wandte sich an die Kreisarchäologin Lönne.

Seit Juni gräbt Lönne in Kalefeld unter Ausschluss der Öffentlichkeit, damit das Gelände nicht geplündert wird. Das Buddeln war nicht immer ungefährlich, da am Fundort auch Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden worden waren. (ap)

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