Schneeeulen könnten mit einigem Recht als Eisbären der Lüfte bezeichnet werden. Kanadische Biologen haben ermittelt, dass die Vögel - ebenso wie die Bären - auf winterliches Meereis als Lebensraum angewiesen sind. Der Klimawandel könnte damit für beide Räuber zu einem ernsthaften Problem werden.
Da die Schneeeule, wie auch der Eisbär, in der obersten Etage des Nahrungsnetzes angesiedelt sei, könnten die Folgen im gesamten arktischen Ökosystem spürbar sein, glauben Jean-François Therrien von der Université Laval und seine Kollegen. Beispielsweise spiele der Greifvogel eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Lemmingbestände.
Die Schneeeule (Bubo scandiacus) ist eine nahe Verwandte des Uhu und in den Polargebieten beider Hemisphären heimisch. Die Tiere jagen tagsüber und können ihr Revier, je nach Nahrungsangebot, über weite Strecken verlegen. Aufgrund dieser nicht vorhersehbaren Wanderungen wisse man bislang nur wenig über die Biologie der Art, so Therrien.
Um mehr über die Eulen herauszufinden, versahen die Forscher zwölf ausgewachsene Weibchen im Sommer 2007 mit kleinen Satellitensendern. Zu ihrer Verblüffung fanden sie, dass die Vögel im folgenden Sommer an durchschnittlich 700 Kilometer weit entfernten Plätzen nisteten. Damit nicht genug, verbrachten sie einen großen Teil der dazwischen liegenden Wintermonate auf dem arktischen Meereis.
"Wahrscheinlich machten sie dort Jagd auf Seevögel", vermutet Therriens Kollege Gilles Gauthier. Schon früher sei über Schneeeulen berichtet worden, die an Lücken im Eis Eiderenten geschlagen hätten, so der Forscher. Sollten sich diese Berichte bestätigen, müsse man die Eule als Teil sowohl des terrestrischen als auch des marinen Ökosystems betrachten, ebenso wie den Eisbär.
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