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Schulen: Sauberes Klo nur gegen zehn Cent

Immer öfter müssen Schüler für den Gang zur Toilette zahlen. An den Schulklos wird in den ohnehin maroden Lehrgebäuden am ehesten gespart. Von Annika Joeres

Regina von der Muehlen sorgt im Schulklo für Sauberkeit.
Regina von der Muehlen sorgt im Schulklo für Sauberkeit.
Foto: ddp

Links blinken die geputzten Toiletten, rechts sind Waschbecken und Boden schmierig und es stinkt nach Urin. Wenn ein Schüler an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel bei Bochum zur Toilette muss, kann er zehn Cent für ein sauberes Klo berappen, oder umsonst die verdreckte Nachbarschüssel nutzen.

"Die Eltern haben um eine solche Lösung gebeten, weil ihre Kinder wegen der desolaten Toiletten nicht mehr trinken mochten", sagt Co-Rektorin Bettina Garnerus. Die meisten Schüler benutzten inzwischen nur noch die Bezahltoilette. Eine Lehreraufsicht sei bei dem Toilettenproblem wirkungslos. "Man kann ja nicht mit auf die Toilette gehen." Die Servicekraft kontrolliere dagegen die Kabinen nach jedem Klogang.

"Ungehindert aufs Klo gehen ist ein Grundrecht!"

"Die Gebühr ist eine Unverschämtheit", sagt Kai Inboden, Vorstand der Landesschülervertretung von Nordrhein-Westfalen. "Es ist ein Grundrecht, ungehindert zur Toilette gehen zu können."

Schultoiletten sind bundesweit zum Streitthema geworden. An ihnen wird in den ohnehin maroden Lehrgebäuden am ehesten gespart. Dabei kursieren die unterschiedlichsten Ideen für eine Lösung des stinkenden Problems: In Hildesheim sollten sich Kinder und Jugendliche selbst an der Reinigung beteiligen.

Nach heftigen Protesten machte die Stadt einen Rückzieher. In Celle müssen sich die Schüler der berufsbildenden Schulen weiter für das stille Örtchen ausrüsten: Sie müssen seit einigen Monaten ihr Klopapier selbst mit in die Schule bringen. Grund sei der zunehmende Vandalismus, so der Schulleiter.

Im Prinzip aber sind Städte und Schulen für die Ausstattung verantwortlich. Deswegen prüft nun das NRW-Schulministerium, ob die Gebühr in Sprockhövel rechtens ist. "Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft", sagt Sprecher Jörg Harm. Grundsätzlich schreibe das Schulgesetz vor, für eine angemessene Ausstattung und Pflege der Klohäuschen zu sorgen. Wenn aber über andere Wege, etwa über einen freiwilligen Beitrag zum Förderverein, Geld in saubere Anlagen investiert werde, sei das in Ordnung.

Nur wenige Schulen verlangen so unverhohlen Geld

Diese Lösung ist weit verbreitet. Nur wenige Schulen verlangen so unverhohlen Geld wie die Sprockhöveler. Meist werden Beträge vom Förderverein abgezweigt, um den Vandalismus an den Schulen zu beenden und eine Putzfrau zu bezahlen. An der Düsseldorfer Benzenberg-Realschule können Eltern freiwillig elf Euro pro Schuljahr an den Förderverein zahlen, der damit eine 400-Euro-Kraft finanziert, die die Toiletten beaufsichtigt und reinigt. Dabei sind diese Vereine eigentlich dazu da, schwache Schüler zu fördern oder besondere Kurse wie Schach oder Football anzubieten.

Offenbar sind den Ideen der Toiletten-Polizei kaum Grenzen gesetzt. Einige Schulen setzen Zehntklässler oder Oberstufenschüler ein, die in den Pausen vor dem Gebäude patrouillieren und eventuelle Schmutzfinken anzeigen.

Die kostenpflichtige Lösung aber lehnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ab. "Grundlegende menschliche Bedürfnisse dürfen nicht privatisiert werden", sagt Sprecher Berthold Paschert. Das sei "ausgemachter Quatsch". Inzwischen sei zwar die Verwahrlosung an einigen Schulen erschreckend. "Aber sie muss über eine neue Kultur des Umgangs gelöst werden und nicht mit dem Abschöpfen von Schülern." Paschert fordert die Kommunen auf, für eine Renovierung der Toiletten zu sorgen.

Schülervertreter Inboden stimmt dem "einfachen Trick" zu: Denn als an seiner Düsseldorfer Schule die Räume neu gestrichen wurden, habe der Vandalismus schlagartig aufgehört. "Dort, wo es schön ist, bleibt es auch so."

Autor:  ANNIKA JOERES
Datum:  31 | 3 | 2009
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