Einen politischen Schlagabtausch gab es dieses Mal nicht. Recht einmütig traten gestern die Kultusminister der SPD- und unionsregierten Länder auf, obwohl im neuen bundesweiten Schulleistungsvergleich wieder einmal die konservativen Schulsysteme Bayerns und Baden-Württembergs an der Spitze stehen und Länder wie Berlin und Bremen weit zurückliegen.
Die Kultusministerkonferenz hat erstmals durch das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) untersuchen lassen, welches Leistungsniveau Schüler der 9. Klasse im Fach Deutsch und Englisch erreichen - und zwar gemessen an den von der KMK verabschiedeten Bildungsstandards.
Bei der gestrigen Vorstellung der Studie hatte der Bildungsforscher Olaf Köller vom IQB durchaus auch gute Nachrichten: "Alle Länder liegen im Fach Deutsch im Soll", sagte er. Die Vorgaben der KMK - in Lesen, Zuhören und Rechtschreibung - würden von großen Schüleranteilen erreicht. Sogar beim Schlusslicht Bremen sind es 55 bis fast 60 Prozent. Das große Problem sind nach wie vor die Leistungsgefälle.
So haben etwa die leistungsschwächsten Neuntklässler Bayerns im Lesen noch immer einen Vorsprung von 60 Punkten gegenüber den Leistungsschwächsten in Bremen. Das entspricht etwa einem guten Jahr. Unter den Nicht-Gymnasiasten erreichen in Berlin fast 26 Prozent nicht einmal das Lese-Mindestniveau.
Die Studie trifft keine Aussagen dazu, wie sich die umstrittene Hauptschule insgesamt entwickelt hat oder ob die gesamte "Risikogruppe" unter den 15-Jährigen kleiner geworden ist. Erst im Dezember werde eine neue Pisa-Studie Aussagen dazu treffen, sagte Olaf Köller. In die KMK-Studie wurden Förderschulen und Neuntklässler, die den Hauptschulabschluss anstreben, nicht einbezogen. Nur jene, die den mittleren Schulabschluss machen wollen.
Die Leistungsgefälle in den Ländern werden noch immer durch die soziale Herkunft und den Anteil an Migrantenkindern bestimmt. Sehr groß sind sie vor allem in Berlin und im Saarland. In den neuen Ländern sind sie geringer als in den alten. Auffällig sind die relativ guten Leistungen vieler Migrantenkinder in Englisch. Die Studie zeigt zudem auch den Leistungsvorsprung der Mädchen gegenüber den Jungen. Neben dem allgemeinen Nord-Süd-Gefälle fällt besonders ferner die Kluft zwischen Ost und West im Fach Englisch auf. Im verstehenden Hören liegen die neuen Bundesländer auf den letzten fünf Plätzen.
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