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Schweinegrippe-Impfstoff: Gefährlich und überteuert

Die geplante Massenimpfung in Deutschland soll nicht nur mit einem überteuerten, sondern auch mit einem riskanten Impfstoff erfolgen. Von Karl-Heinz Karisch

Im Gegensatz zu den USA soll nach Deutschland ein Impfstoff mit deutlich niedriger dosierten Antigenen geliefert werden.
Im Gegensatz zu den USA soll nach Deutschland ein Impfstoff mit deutlich niedriger dosierten Antigenen geliefert werden.
Foto: dpa

Die Schweinegrippe verläuft in Deutschland weiterhin relativ harmlos. Bei bislang gut 20.000 gemeldeten Infektionsfällen gab es bislang offenbar nur einen Todesfall. Das kritische Arznei-Telegramm rügte am Wochenende, dass die geplante Massenimpfung nicht nur mit einem überteuerten, sondern auch riskanten Impfstoff erfolgen soll. Im Gegensatz etwa zu den USA, wo der gesamte Schweingrippen-Impfstoff nach dem bewährten Verfahren herangezüchtet werde, solle hier ein Impfstoff mit deutlich niedriger dosierten Antigenen geliefert werden.

Um die geringere Impfwirkung auszugleichen, werde ein Wirkverstärker (Adjuvans) zugesetzt. Der aber werde aus Belgien zugeliefert und koste pro Impfdosis sechs Euro. Das aber sei reine "Abzockerei", da es sich lediglich um 28 Milligramm einer preiswert herzustellenden Wirkstoffmischung handele.

Dieser Wirkverstärker AS03 sei zudem bislang in keinem handelsüblichen Impfstoff erprobt worden. Stärkere Nebenwirkungen wie überschießende Reaktionen des Immunsystems seien möglich, heißt es. Damit verließen Behörden und Hersteller die Strategie, eine optimale Verträglichkeit von Impfstoffen sicher zu stellen.

Nach Berechnungen des Arznei-Telegramms würde ein Impfstoff mit ausreichender Antigen-Menge - aber ohne Wirkverstärker - statt neun nur vier Euro kosten. Für das nun gelieferte, billiger herzustellende aber überteuert verkaufte Produkt übernehme die Herstellerfirma noch nicht einmal die Haftung. Der dem Arznei-Telegramm vorliegende Vertrag mit dem Bundesgesundheitsministerium und den Ländern befreie den Hersteller davon.

GlaxoSmithKline (GSK) wies die Vorwürfe zurück. Dies sei Stimmungsmache, die die Impfbereitschaft negativ beeinflusse, sagte GSK-Sprecherin Anke Helten der Frankfurter Rundschau. Mit dem Adjuvans als Verstärker sei es möglich gewesen, eine ausreichende Menge von Impfstoff in kurzer Zeit bereitzustellen.

Experten etwa des Paul-Ehrlich-Instituts hätten den neuen Impfstoff zudem als "Goldstandard" bezeichnet. Das Adjuvans rege das Immunsystem so an, dass es auch auf spätere Mutationen des Schweinegrippen-Virus noch ausreichend stark reagieren könne. "Ohne Adjuvans geht das nicht", so Anke Helten.

Nach Angaben von GlaxoSmithKline wurde das Adjuvanssystem mittlerweile in verschiedenen Versionen an 39000 Menschen getestet. Nebenwirkungen waren demnach etwas häufiger als üblich Fieber, grippeähnliche Symptome und Irritationen an der Einstichstelle.

Autor:  Karl-Heinz Karisch
Datum:  28 | 9 | 2009
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