Derzeit entwickelt Nicolelis aber auch einen Roboteranzug, eine Art äußeres Skelett. Gespickt mit Hunderten von Elektroden, die in den Kopf eingepflanzt wurden, mit Signalverstärkern und weiterer komplizierter Technik, soll es die Gedanken seines Inhabers in Bewegung umsetzen. Schwerstbehinderte Menschen können damit vielleicht wieder stehen und gehen - so die Vision.
Walk again heißt das internationale Entwicklungsvorhaben, an dem auch Berliner Wissenschaftler mitarbeiten. Einer von ihnen ist der Informatiker Klaus-Robert Müller. An der Technischen Universität ist er für die Auswertung der Daten zuständig. Aus dem Wust von Hirnsignalen, die bei künftigen Tests anfallen werden, will Müller die wichtigen Muster erkennen. "Ich versuche herauszufinden, was die Probanden wirklich gemeint haben", sagt der junge Wissenschaftler.
Offiziell beginnt das millionenschwere Prestigeprojekt Walk again Anfang kommenden Jahres. Dass seine Universität eingeladen wurde, daran teilzunehmen, freut Müller besonders: "Wir sind eines der weltweit führenden Zentren für Datenanalyse - das verschafft uns solche Gelegenheiten."
Menschen mit schweren Nervenschäden will auch der Züricher Neuroforscher Martin Schwab helfen, allerdings mit einer medikamentösen Therapie. Vor zwanzig Jahren entdeckte er ein Protein im Gehirn und Rückenmark, das Nogo-A, welches das Wachstum und die Regeneration verletzter Nerven hemmt. Könnte man die Substanz behindern, so die Idee, dann müssten Nervenschäden wieder heilen.
In Zusammenarbeit mit der Firma Novartis hat Schwab das Versuchspräparat ATI 355 nach diesem Prinzip entwickelt. Erste klinische Versuche an querschnittsgelähmten Patienten hätten hoffnungsvolle Ergebnisse erbracht, berichtete Schwab. Wenn die Tests weiterhin positiv verlaufen, könnte es in wenigen Jahren soweit sein: Vielleicht gibt es dann erstmals eine Heilung für Menschen, die bisher chancenlos waren. Das Unmögliche möglich machen - dazu ermutigte der Kongress Falling Walls in Berlin.
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