Besonders den Bärenmüttern fällt das nicht leicht. Denn je weiter sie auf der Suche nach Nahrung umher streifen müssen, umso größer ist das Risiko, auf ein Männchen zu stoßen. "Solche Begegnungen aber sind für die Jungtiere sehr gefährlich", erklärt Gabriel Schwaderer. Denn solange Bärinnen sich um ihren Nachwuchs kümmern, paaren sie sich nicht erneut. Das wissen auch die Männchen, die dafür allerdings wenig Verständnis haben.
Häufig versuchen sie deshalb, kleine Bären zu töten, um bei der Mutter zum Zuge zu kommen. Selbst den eigenen Nachwuchs scheinen sie dabei nicht zu schonen. Vor allem in kleinen Beständen, in denen es viele Männchen gibt, kann dieses Verhalten ganze Bärengenerationen das Leben kosten. "Die beste Versicherung dagegen ist ein gutes Nahrungsangebot", sagt Gabriel Schwaderer.
Also hat Fapas einige verlassene Bergbauernhöfe gekauft oder gepachtet, um dort Obstbäume zu pflanzen. Die Bestäubung übernehmen eigens angesiedelte Bienenvölker in bärensicheren Spezialkästen. Die zottigen Feinschmecker wissen solche Angebote offenbar durchaus zu schätzen. Im vergangenen Jahr hat sich ein Bär wochenlang auf der Fapas-eigenen Finca "El Coronel" eingerichtet, um zwischen den verfallenen Gebäuden auf die Bäume zu klettern und die Kirschen abzuernten.
Nur mit ihren eigenen Fincas können die Naturschützer allerdings kein Bären-Schlaraffenland auf die Beine stellen. Deshalb beginnt ihre Arbeit im Kantabrischen Gebirge oft genug in einer Dorfkneipe. Vielleicht sitzt dort ja wieder einmal ein Landbesitzer, der seine nicht mehr genutzten Flächen kostenlos mit Gehölzen aus der Fapas-eigenen Baumschule bepflanzen lassen will. Früchte oder Holz kann er anschließend beliebig verwerten, für die Bären bleibt trotzdem genug übrig.
"Oft sind die interessierten Landbesitzer alte Leute, die sich gar nicht mehr mit der Ernte auf diesen steilen Hängen abplagen wollen", sagt Alfonso Hartasánchez. Es geht ihnen gar nicht so sehr um das Obst. Doch einer nutzlosen Fläche wieder einen Wert zu geben, kommt der Mentalität der Menschen hier sehr entgegen. Deshalb hat das Projekt viele Dorfbewohner davon überzeugt, dass sie von der Anwesenheit der Bären profitieren können. Zumal etwaige Schäden an Vieh und Ernte von den Behörden rasch und unbürokratisch entschädigt werden.
Anders als in vielen anderen Regionen Europas haben die Bären Nordspaniens daher nicht nur in den Städten, sondern auch in ihrer direkten Nachbarschaft viele Fans. Die Bürgermeister in den Dörfern des Valle de Trubia nennen ihr Tal inzwischen nur noch stolz "El Valle de los Osos" - das Tal der Bären. Zu Gesicht bekommen sie die Phantome des Gebirges zwar kaum. Doch Hauptsache, sie sind da.
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