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Studentenjobs: "Ich nehme, was kommt"

Die Finanzkrise lässt auch Studentenjobs dahinschmelzen. Gerade junge Ausländer sind auf Stellen angewiesen - ohne sicheren Lohn droht ihnen die Abschiebung. Von Yvonne Globert

Corine Yonké lebt und studiert in Frankfurt am Main.
Corine Yonké lebt und studiert in Frankfurt am Main.
Foto: Arnold/FR

Für Corine Yonké ist das immer wieder ein komisches Gefühl. Einem Deutschen die eigene Finanzmisere zu erklären. Wie es ist, praktisch nichts zu haben. Von einem 500-Euro-Stipendium leben zu müssen, während Miete und Krankenkasse wieder 430 Euro verschlingen. Oder zu beschreiben, wie man damit umgeht, wenn auf dem Kontoauszug am Monatsende wirklich immer eine Null steht. Aber um reich zu werden, sagt die Kamerunerin, sei sie ja auch nicht nach Deutschland gekommen.

Corine hat geputzt und für eine Anwältin Akten kopiert. Auf Messen hat sie gedolmetscht und als studentische Hilfskraft Bücher in der Unibibliothek sortiert. So ziemlich jeden Job hat die Afrikanerin gemacht, um in Frankfurt studieren zu können. Die Sache war es wert: Nur noch eine mündliche Prüfung, dann hat sie ihren Abschluss in Politologie und Ethnologie. Dafür ist sie hier. Doch wie lange Corine nach ihrem Studium in Deutschland bleiben kann, ist ungewiss.

Zu Gast in Deutschland

Rund eine Viertelmillion ausländischer Studenten ist derzeit an einer deutschen Hochschule immatrikuliert. Damit stellen sie einen Anteil von rund zwölf Prozent aller Studenten. Laut Deutschem Studentenwerk ging die Zahl der Studienanfänger zwischen 2003 und 2006 um elf Prozent auf rund 63 400 zurück.

Nach einer Studie des Hochschul- Informations-Systems (HIS) brechen 50 Prozent aller ausländischen Studenten das Studium in Deutschland ab. Die Gründe dafür sind verschieden: Einige kommen an der Uni nicht zurecht, andere finden keinen Anschluss oder haben Probleme mit der Studienfinanzierung. Während des Studiums dürfen sie bis zu drei Monate im Jahr arbeiten.

Schon während ihrer Ausbildung müssen ausländische Studierende regelmäßig bei den Ausländerbehörden vorsprechen. Und immer wieder ist es da, das mulmige Gefühl. Verbunden mit der Hoffnung auf Verlängerung des Visums. Voraussetzung ist eine gesicherte Einnahmequelle.

Und darin liegt das Problem: Sie wird immer unsicherer. Jene Jobs, mit denen sich Studenten wie Corine Yonké einigermaßen über Wasser halten konnten, tauen gerade weg wie Eis. Die Fließbandarbeit beim Autozulieferer? Weg. Die Nachtschicht am Flughafen? Keine Chance. Die Finanzkrise - sie erreicht inzwischen auch die Stellenausschreibungen auf den Schwarzen Brettern der Hochschulen. Peanuts verglichen mit der Lage bei Hypo Real Estate und HSH Nordbank, würde mancher wohl einwerfen. Und ignorierte dabei, dass sich für ausländische Studierende unbemerkt eine Katastrophe anbahnen könnte.

Laut Deutschem Studentenwerk sind circa 250 000 ausländische Studenten derzeit an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. 100 000 von ihnen stammen dabei aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Gerade für sie könnten sich wirtschaftliche Einschnitte bald dramatisch auswirken. Da sie nicht der EU angehören, haben sie keinen Anspruch auf Bafög. Und auch ihre Eltern können sie in der Regel kaum finanziell unterstützen. Das war schon vor der Finanzkrise so und könnte sich mit ihr noch verstärken. Denn auch einzelnen Heimatländern setzt das Finanzchaos zu.

Als Corines Vater noch glaubte, nirgendwo sonst seien die Aufstiegschancen für seine älteste Tochter so günstig wie in Deutschland, verkaufte er sein Haus auf dem Land, gedacht eigentlich als Rücklage. Doch der Vater verlor seine Arbeit, die Familie ist nun ebenfalls auf den Erlös angewiesen. Der Verkauf deckte nur ihre Startphase in Frankfurt ab. Seitdem ist Corine finanziell auf sich allein gestellt.

Laut Deutschem Studentenwerk trifft das auf 80 Prozent aller Studenten ohne deutschen Pass zu. Die Auflagen aber, die sie hierzulande erfüllen müssen, werden damit nicht weniger: Gegenüber den zuständigen Ausländerbehörden müssen sie nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Als Bemessungsgrundlage dient der Bafög-Höchstsatz von 585 Euro monatlich oder 7020 Euro fürs gesamte Jahr. Reicht das Geld nicht, droht ihnen die Abschiebung. Verständlich, dass Betroffene in der Regel lieber anonym bleiben, als über ihre Armut zu sprechen. Corine kann das verstehen und tut es dennoch. "Einer muss es ja", findet sie.

Auf 20 000 schätzt der World University Service (WUS), eine internationale Gemeinschaft von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden im Bildungssektor, grob die Zahl jener, die aktuell oder in naher Zukunft unter großen finanziellen Druck geraten, weil sie etwa Krankenkassenbeiträge, Miete oder Studiengebühren nicht mehr zahlen können. Überprüfen lässt sich das nur schwer. Zumal die Studierenden durchaus Wege finden, ihre Not offiziell zu vertuschen: "Bislang wurde bei uns noch kein Student aus finanziellen Gründen abgelehnt", sagt der Leiter der Frankfurter Ausländerbehörde. Aber die Behörde könne auch nicht sicher sein, ob nicht ein Bekannter aus der Patsche helfe, indem er vorübergehend das nötige Geld überweise.

Über ihre Sorgen sprechen die Studenten offen, wo sie anonyme Hilfe erwarten können: Studentenwerke, Asten und Hochschulgemeinden verwalten Nothilfefonds und übernehmen schon mal eine Miete oder die Semestergebühren, wenn nichts mehr geht. "Die Not ist größer geworden. Das ist ganz deutlich", bestätigt Ulrike Kos vom Studentenwerk der Uni Koblenz-Landau. Gerade haben die Semesterferien angefangen. Ferienjobs aber sind immer weniger in Sicht. Das Sitzland Rheinland-Pfalz sichert seinen Hochschulen für solche Fälle zwar schon lange eine Nothilfe zu. Nur: Koblenz ist mit 12 500 Studierenden eine kleine Uni. Entsprechend gering fällt der Notgroschen aus: Mickrige 1875 Euro schießt das Land bei. Wohlgemerkt: Für ein Jahr und die ganze Hochschule!

Mit Partnern aus der Region gründete das Studentenwerk, schon vor der Finanzkrise ein Beratungsgremium. Gemeinsam wollte man Studenten unter die Arme greifen und bemühte sich um finanzielle Unterstützung örtlicher Unternehmen. "Die Hilfsbereitschaft der Industrie aber war nicht besonders groß", sagt Kos bitter.

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Autor:  YVONNE GLOBERT
Datum:  27 | 2 | 2009
Seiten:  1 2
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