Mainz. Kinder bestimmen in der Schule und an ihrem Wohnort viel zu wenig mit. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die in Mainz bei einer Tagung des ZDF zur gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern vorgestellt wurde.
Danach findet der Nachwuchs zwar, daheim viel mitbestimmen zu können (53,8 Prozent), in der Schule jedoch nur wenig (60,4 Prozent) oder gar nicht (24,6 Prozent). An ihrem Wohnort haben mehr als die Hälfte (55,3 Prozent) der Kinder laut Studie nach eigenem Empfinden überhaupt nichts oder nur wenig (33,6 Prozent) mitzubestimmen.
Für die Untersuchung im Auftrag des ZDF befragte das Institut IFAK (Taunusstein) im Juli und August dieses Jahres 874 Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren in Deutsch sprechenden Haushalten sowie deren Eltern.
"Kinder können mehr als wir glauben"
"Kindern etwas zutrauen und Freiräume schaffen für Erfolgserfahrung, Selbstbestimmung und soziale Einbindung - das bedeutet für mich Partizipation von Kindern. Dabei muss sich die Einstellung von uns Erwachsenen ändern, denn Kinder und Jugendliche können mehr als wir glauben", sagte Prof. Matthias Jerusalem, Direktor des Instituts für Erziehungswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität laut Mitteilung.
Die Tagung fand anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der ZDF-Kindernachrichtensendung "logo!" und des 20. Jahres der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention statt.
Nach der Befragung entscheiden Kinder daheim vor allem mit, ob sie ihre Freunde treffen und was sie in ihrer Freizeit machen. Am konfliktträchtigsten sei das Thema "Zimmer aufräumen". In der Schule stoße die Mitbestimmung bereits bei der Gestaltung der Klassenzimmer an enge Grenzen. Die Autoren der Studie gelangen zu dem Schluss: "Was nur von Erwachsenen und Kindern gemeinsam regelbar ist, muss auf gleicher Augenhöhe ausgehandelt werden. Was Kinder aber alleine können und wollen, ist ihnen zu übertragen."
Laut Studie muss unter anderem das bürgerschaftliche Engagement von Eltern gefördert werden, weil sich dies nicht zuletzt auch auf die Mitbestimmung von Kindern in der Familie positiv auswirke. Weiter müssten die Beteiligungsrechte von Schülern ausgebaut werden - etwa durch die verbindliche Wahl eines Klassensprechers bereits ab der ersten Klasse.
Vor allem aber muss sich die Haltung von Erwachsenen laut Studie auf der kommunalen Ebene verändern. "Kinder und Jugendliche müssen intensiv an Demokratie teilnehmen können", heißt es. Kinder sollten etwa besser über Mitwirkungsmöglichkeiten an ihrem Wohnort informiert und die Angebote erweitert werden. (dpa)
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