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16. April 2012

Studie via Satellit: Pinguine zählen aus dem Weltall

 Von Nadja Erb
So viele Pinguine - wer soll die alle zählen?  Foto: imago stock&people

Forscher haben sich moderne Satellitentechnik zu nutze gemacht, um Kaiserpinguine in der Antarktis zu beobachten. Ihre überraschende Entdeckung: Es gibt viel mehr von den kultigen Vögeln als bisher gedacht.

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Forscher haben sich moderne Satellitentechnik zu nutze gemacht, um Kaiserpinguine in der Antarktis zu beobachten. Ihre überraschende Entdeckung: Es gibt viel mehr von den kultigen Vögeln als bisher gedacht.

In der Antarktis leben rund doppelt so viele Kaiserpinguine wie bisher vermutet. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Pinguinzählung aus dem All. Ein Forscherteam aus Briten, US-Amerikanern und Australiern untersuchte hochauflösende Satellitenbilder vom ewigen Eis - und registrierte 44 Kolonien von Kaiserpinguinen entlang der Antarktis-Küste. Mit Hilfe der Satellitenbilder zählten die Forscher 595.000 Tiere. Bisher waren Schätzungen von 270.000 bis 350.000 Pinguinen ausgegangen.

"Wir sind begeistert, dass wir eine so große Anzahl von Kaiserpinguinen registrieren konnten", kommentiert der Teamleiter Peter Fretwell vom British Antarctic Survey das Ergebnis. Es sei das erste mal, dass die Zählung einer Tierart vom Weltall aus erfolgt sei.

Die Forscher nutzten VHR-Aufnahmen der Satelliten Quickbird2, Worldview2 und Ikonos, deren Bildschärfe mit einer speziellen Technik weiter erhöht wurde. Dadurch konnten die Forscher klar zwischen den Vögeln einerseits und dem Eis, den Schatten und dem Pinguinkot andererseits unterscheiden. Unter den erfassten Pinguinkolonien waren sieben, die der Wissenschaft bisher völlig unbekannt waren. Der Lebensraum der Kaiserpinguine ist schwer zu erforschen, weil viele Brutgebiete sehr abgelegen und wegen der eisigen Temperaturen von bis zu 50 Grad minus für den Menschen oft unzugänglich sind.

Klimawandel macht Pinguinen zu schaffen

Die Erforschung via Satellit ist aus Sicht der Forscher besonders vielversprechend, weil sie sichere Ergebnisse verspricht, ohne dass die Menschen groß in die Natur eingreifen müssen. "Das ist ein enormer Fortschritt für die Ökologie der Antarktis", sagt Michelle LaRue von der Universität von Minnesota. Diese Methode könne nun auch auf andere, wenig erforschte Arten der Polarregion angewandt werden. Die Auswertung von Satellitenbildern ist mit weniger Kosten verbunden als Feldstudien vor Ort, vor allem, wenn es um Regionen mit extremem Klima geht.

Die Zählung aus dem All könnte auch neue Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit die Kaiserpinguine unter dem fortschreitenden Klimawandel leiden, hoffen die Forscher. Dazu könnten die Zählung via Satellit in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Wissenschaftler befürchten, dass die zunehmende Erwärmung das Eis auch in der Antarktis in immer größerem Ausmaß zum Schmelzen bringt - und damit den Lebensraum der Pinguine bedroht. Davon wären vor allem die nördlichen Kolonien betroffen. "Die Effekte der Erwärmung rund um die Antarktis sind regional begrenzt und ungleichmäßig", erklärt der Biologe Phil Trathan vom British Antarctic Survey. "Ein genauer Kontinent weiter Zensus, der in regelmäßigen Abständen wiederholt würde, könnte uns dabei helfen festzustellen, welche Auswirkungen der Klimawandel genau auf diese Kultspezies hat."

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