Berlin. Im Bewusstsein der Bundesbürger ist die Wirtschafts- und Finanzkrise allgegenwärtig. Doch in den meisten deutschen Haushalten ist sie bislang nicht angekommen. Zwei Drittel der Bevölkerung spüren bisher keine Auswirkungen der Krise. Und selbst in der Gruppe der Berufstätigen fühlt sich fast jeder zweite von der Entwicklung nicht betroffen.
Dieses Krisenbarometer, Stand Ende Juni, hat jetzt das Institut für Demoskopie Allensbach erstellt anhand einer Repräsentiv-Befragung für den "Familienmonitor 2009" des Bundesfamilienministeriums. Direkte Auswirkungen des globalen Wirtschaftskollapses spüren demnach derzeit 37 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, vier Prozent weniger als im Mai. Auch die Zahl derjenigen, die sich bereits mit voller Wucht von der Krise eingeholt sehen, ist leicht gesunken auf derzeit acht Prozent.
Für die Allensbacher Demoskopen, die die Auswirkungen der Krise auf die Stimmung in der Bevölkerung seit einem Dreivierteljahr beobachten, sind die jüngsten Zahlen ein überraschend optimistischer Befund. Sie ließen zwar keine Prognose für die Zukunft zu, so Allensbach-Chefin Renate Köcher, aber sie zeigten , dass es der Politik bisher recht passabel gelungen sei, "die Bevölkerung gegen die Krise abzuschotten".
Nicht so sehr durch den Staat, sondern vor allem durch die eigene Familie hofft das Gro s der Deutschen, sich gegen die Krise zu wappnen. Zwei Drittel der Befragten waren sich sicher, dass sie auch in Zeiten starker finanzieller Not auf die Hilfe der Familie bauen können - und dieses Vertrauen ins familiäre Netzwerk geht quer durch alle sozialen Schichten.
Gerade die Familie könnte aber durch die Krise in ihren traditionellen Strukturen durcheinander gewirbelt werden. Denn Hauptbetroffene sind die Männer. In deren klassischen Berufsfeldern brechen jetzt deutlich mehr und rapider Jobs weg. Berufstätige Frauen könnten so Stabilisator des Familienetats werden. Nur jede vierte arbeitet bei krisenbetroffenen Arbeitgebern.
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