Deutschlands Studierende haben offenbar recht unrealistische Vorstellungen von der Berufswelt. Das ist eines der Ergebnisse des sogenannten „Unicensus10“, einer Umfrage der Agentur Univativ unter mehr als 1000 Studierenden an 55 Hochschulen.
Bei der Einschätzung der für den Beruf erforderlichen sozialen Kompetenzen gehen die Vorstellungen von Unternehmen und Studierenden demnach weit auseinander. 34000 Stellenanzeigen in der Datenbank der Stellenbörse Monster.de wertete Univativ aus, um herauszufinden, welche „soft skills“ Firmen von ihren Mitarbeitern erwarten. Kundenorientierung liegt da naturgemäß weit vorne − an vierter Stelle. Doch die Studierenden sortieren die Fähigkeit, sich auf Kunden einzustellen, in ihrer Top-Ten-Liste an vorletzter Stelle ein. Ein Hinweis, für die Universitäten, ihre Lehrpläne zu überdenken, empfiehlt Univativ-Geschäftsführer Olaf Kempin: „Wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Studierenden später in der Dienstleistungsbranche tätig sein wird, sollte die Kundenorientierung höher eingestuft werden. Das muss in der Ausbildung eine Rolle spielen.“
Erwarten die Firmen an erster Stelle Flexibilität von ihren Leuten, glauben Studierende vor allem, Kommunikationsbereitschaft liefern zu können. Diese ist den Unternehmen nicht so wichtig: Sie steht in deren Ranking auf dem drittletzten Platz.
Gefragt wurde auch nach der Studienfinanzierung: Danach erhält der Durchschnittsstudent 45 Prozent seiner Mittel von den Eltern, 31,3 Prozent durch Jobs und nur 16,3 Prozent aus dem Bafög-Topf des Staates. Nur 7,1 Prozent der Studierenden finanzieren ihr Studium ganz und gar allein ohne fremde Hilfe, jeder Vierte bekommt gar kein Geld von den Eltern.
Büroarbeit und Gastronomie
Angesichts der Tatsache, dass gut 63 Prozent der Befragten angaben, zwischen fünf und mehr als 20 Stunden pro Woche zu arbeiten, ist es laut Kempin „bedenklich“, wenn 58 Prozent der Befragten versichern, „dass sie Jobs gar nicht oder weniger gut mit ihrem Studium vereinbaren können“. Zumal das bei der Befragung von 2008 mit damals 48 Prozent noch zehn Prozent weniger waren. „Da schlagen sich offenbar die eng getakteten Stundenpläne des Bachelor-/und Master-Studiums nieder, die den Studierenden zunehmend weniger Zeit lassen“, sagt Kempin.
Erstaunlich nannte es der Univativ-Chef, − eine Agentur, die Studierende und Uni-Absolventen für Projektjobs in Unternehmen engagiert und vermittelt − dass die meisten Studierenden (67,5 Prozent) zwar behaupten, zu arbeiten, um Praxiserfahrung zu sammeln. Das schlage sich jedoch nicht in der Top-Ten-Liste der ausgeübten Jobs nieder, die von allgemeiner Büroarbeit, gefolgt von Stellen in der Gastronomie angeführt wird.
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