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Suchtmittel: Tablettenabhängigkeit dominiert

Rund 1.5 Millionen Menschen sind bundesweit offenbar Medikamentenabhängig. Das sind ungefähr fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel führen die Liste an.

Fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist offiziellen Schätzungen zufolge abhängig von Medikamenten.
Fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist offiziellen Schätzungen zufolge abhängig von Medikamenten.
Foto: ddp

Mainz. Fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist offiziellen Schätzungen zufolge abhängig von Medikamenten. Die weitaus meisten (rund 80 Prozent) der Betroffenen sind abhängig von dem Schlaf- und Beruhigungsmittelwirkstoff Benzodiazepin, teilten die Landesärztekammer und die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch anlässlich ihrer gemeinsamen Fachtagung zur Tablettensucht in Mainz mit. Tablettenabhängigkeit ist den Ärzten zufolge nach Alkoholismus die zweithäufigste Sucht in Deutschland.

Die Zahl der Abhängigen bundesweit werde auf rund 1,5 Millionen Menschen geschätzt, berichtete der Präsident der Landesätztekammer Frieder Hessenauer. In Rheinland-Pfalz seien es umgerechnet rund 166.500 Menschen, die von Medikamenten abhängig sind. Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch diese "stille Sucht" entstehe, betrage bundesweit rund 14 Milliarden Euro jährlich, sagte Hessenauer. Diese Summe beinhaltet den Angaben zufolge sowohl die Kosten für Entzüge als auch andere finanzielle Schäden, etwa durch Arbeitsausfall.

Der Anteil der Tablettensüchtigen steigt den Angaben der Kammer zufolge mit dem Lebensalter an. Ein Großteil der Abhängigen sei über 65 Jahre alt und bekomme regelmäßig Benzodiazepine als Schlafmittel verschrieben, erläuterte Hessenauer. Patienten zwischen 50 und 65 Jahren erhielten die Medikamente auch regelmäßig zur Bekämpfung von Angst, jüngere Patienten nähmen sie häufig bei Stress ein.

Nach Erkenntnissen des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung erhalten bis zu 90 Prozent der Süchtigen die Tabletten regelmäßig auf Rezept von ihrem Hausarzt. "Die wenigsten müssen zur Befriedigung ihrer Sucht Ärzte-Hopping betreiben", sagte der Leiter des Forschungsinstituts, Peter Raschke.

Die Landesärztekammer und die TK wollen deshalb mit ihrer Fachtagung vor Ärzte in ihrer Verschreibungspraxis sensibilieren, damit sie süchtigen oder suchtgefährdeten Patienten öfter zu einer Verhaltenstherapie raten. (ddp)

Datum:  25 | 11 | 2009
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