Bei Stress bekommt es gelbe Streifen. Erst vor kurzem hatten deutsche Forscher das bis dato unbekannte Tarzan-Chamäleon im Regenwald Madagaskars entdeckt, jetzt könnte es schon bald von der Erde verschwinden. Genauso wie das Sumatra-Nashorn, das Bergsteigen kann oder das Faultier, das fast sein ganzes Leben lang an einem Ast hängt.
Erstmals haben Wissenschaftler die hundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten der Erde auf einer Liste zusammengefasst. Von vielen Spezies ist nicht einmal bekannt, wie viele Exemplare überhaupt noch existieren. „Alle gelisteten Tiere und Pflanzen sind einzigartig und unersetzlich. Wenn sie aussterben, kann kein Geld der Welt sie zurückholen“, berichten die Forscher der International Union for the Conservation of Nature (IUCN).
Zusammengestellt wurde die Liste von mehr als 8000 Wissenschaftlern. Die Organisation gibt außerdem jährlich die Rote Liste gefährdeter Arten heraus, die in diesem Jahr mehr bedrohte Tiere und Pflanzen aufzählte als je zuvor. 41 Prozent der Amphibien, 33 Prozent der Riffe bildenden Korallen, 25 Prozent der Säugetiere, 13 Prozent der Vögel und eine von fünf Pflanzenarten sind bedroht, ergab die jüngste Zählung.
Das Bonobo-Äffchen zeigt sich hier von seiner schönsten Seite. Doch das könnte nicht mehr lange der Fall sein, denn selbst in den Nationalparks der Demokratischen Republik Kongo ist es nicht mehr sicher und wird von Wilderern bedroht. Wenn es wüsste, wie es um die Zukunft seiner Artgenossen bestellt ist, wäre ihm anstelle des breiten Grinsens die Angst ins Gesicht geschrieben.
Foto: Andreas ArnoldNoch bestehe die Chance, diese Arten zu retten – wenn man sofort handele, so die Forscher. Erfolgsgeschichten wie das Przewalski-Pferd oder der Buckelwal zeigten, dass gezielte Maßnahmen Arten vor dem fast schon sicheren Aussterben retten können. Viele Tiere hätten aber keine Lobby. Sie würden immer stärker danach bewertet, welchen Nutzen sie für den Menschen hätten. „Die Spendergemeinschaft und der Artenschutz tendieren immer mehr zu einer Was-kann-die-Natur-für-uns-tun-Haltung“, sagt Jonathan Baillie, Direktor für Artenschutz bei Zoological Society of London. Das mache es immer schwerer, die am stärksten bedrohten und oft vermeintlich nutzlosen Spezies zu schützen.
Zu den Säugetieren in der Liste gehören zum Beispiel das Zwergfaultier Bradypus pygmaeus, das nur noch auf einer kleinen Insel vor der Küste von Panama vorkommt, der in China lebende Hainan-Gibbon (Nomascus hainanus), von dem nur noch weniger als 20 Exemplare existieren, oder die als asiatisches Einhorn bekannte Saola-Antilope (Pseudoryx nghetinhensis), die in Vietnam lebt. Neben vielen Fröschen und Kröten finden sich auch Reptilien, Fische und Vögel auf der Liste, wie die Indische Riesentrappe (Ardeotis nigriceps).
Nahezu alle auf der Liste stehenden Arten seien durch den Menschen in Gefahr geraten, berichten die Forscher. Meist wurde ihr Lebensraum zerstört, indem beispielsweise der Wald gerodet, ein Fluss aufgestaut oder Feuchtgebiete trockengelegt wurden. Einige werden werden jedoch auch bereits als Opfer des Klimawandels gelistet, wie der Galapagos-Riffbarsch, von dem nicht bekannt ist, ob es überhaupt noch lebende Exemplare gibt. Auch für die nur auf einer Insel der Seychellen vorkommende Schneckenart Moominia willii geben die Wissenschaftler als Hauptbedrohung den Klimawandel und die Verdrängung durch andere Arten an. Durch die globale Erwärmung dringen viele Tiere in neue Gebiete vor. Die Alteingesessenen werden zur Beute der Neuankömmlinge oder machen ihnen die Nahrung streitig.
„Jede dieser Arten ist Ausdruck der Vielfalt der Natur und repräsentiert eine evolutionäre Lösung für ganz spezielle Umweltbedingungen“, kommentiert John G. Robinson von der Science Wildlife Conservation Society die neue Liste. „Wir schulden es uns selbst und ihnen, auf diesem Planeten Raum für sie alle zu finden“.
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