Trotzdem ist für ihn klar: "Wenn wir etwa etwas über das Bewusstsein erfahren und wissen wollen, wie das Gehirn funktioniert, können uns Zellkulturen nur begrenzt weiterhelfen." "Je komplexer die Fragen sind, die wir mit einem Tierversuch lösen wollen, desto komplexer werden auch die tierversuchsfreien Lösungsansätze", sagt auch Manfred Liebsch von Zebet. Mit anderen Worten: Statt eines vollständigen Ersatzes müssen Wissenschaftler auf mehrere tierversuchsfreie Methoden ausweichen. Am Ende sei dann vielleicht doch noch ein Tierversuch nötig. Aber eben nur einer.
Denn letztlich geht es in der Debatte über Tierversuche auch um einen maßvollen Umgang. So sieht es - grundsätzlich - auch die EU-Richtlinie vor, die sich an dem sogenannten Prinzip der 3 R (replacement, reduction, refinement) orientiert. Dieses geht auf forschungsethische Grundsätze zurück, die die Naturwissenschaftler William Russel und Rex Bruch schon 1959 entwickelten. Nach ihnen sollen Tierversuche möglichst ersetzt und - wo dies nicht gelingt - zumindest reduziert werden und für das Tier so wenig belastend wie möglich ablaufen.
Um beim Beispiel "Reach" zu bleiben, könnte die EU etwa darauf verzichten, Wirkungen chemischer Substanzen bis in die zweite Generation von Tieren zu verfolgen und so deutlich weniger von ihnen in den Tod schicken. Experten wie Manfred Liebsch betonen, dass eine ausführlichere Ein-Generationenstudie die nötigen, wenn nicht sogar verlässlichere Ergebnisse bringen würde.
Der Nachteil: "Sie wäre, wenn alle Untersuchungen vollständig in der ersten Generation vorgenommen werden, teurer als die Untersuchung bis zur Enkelgeneration." Auch wenn Europa das alternative Modell akzeptieren würde, so seine Prognose, werde die Industrie deshalb wohl "den Teufel tun", als eine Lanze für die Labormaus zu brechen.
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