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24. Juli 2012

Tödlicher Sex: Zwei auf einen Streich

 Von Cornelia Dick-Pfaff
Fransenfledermaus auf der Suche nach Futter. Foto: Guido Gerding

Fliegen, die sich bei Nacht paaren, begeben sich in Lebensgefahr. Denn die Summgeräusche, die die Tiere während des Aktes von sich geben, locken Fledermäuse an.

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Sex ist manchmal folgenreich – zumindest für Fliegen kann er tödlich enden. Denn Fledermäuse lauern den Insekten gezielt beim Paarungsakt auf. Die nachtaktiven Flieger lauschen auf die Geräusche, die die Insekten dabei erzeugen, haben Biologen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie beobachtet. Ihr verräterisches Summen wird dem Fliegenpärchen dann zum Verhängnis, berichten die Forscher im Fachblatt Current Biology. Besonders attraktiv für die Räuber: Sie erwischen so häufig gleich zwei Fliegen auf einen Streich. „Viele Tiere sind während des Geschlechtsverkehrs nicht nur durch Lautäußerungen auffällig, sondern auch noch in ihrer Aufmerksamkeit abgelenkt“, erläutert Stefan Greif vom MPI für Ornithologie in Seewiesen: „In einfachen Worten: Sex bringt um.“

Auffälliger Flügelschlag

Eigentlich stellen nachtaktive Fledermäuse für primär tagaktive Fliegen keine große Gefahr dar. Für gewöhnlich verhalten sich die Insekten nachts derart unauffällig, dass Fledermäuse sie im Grunde gar nicht entdecken. Doch während der Kopulation ändert sich das schlagartig, konnten Greif und seine Kollegen beobachten. Bei der Paarung geben die Fliegen summend-schnarrende Geräusche von sich, die vermutlich vom Flügelschlag der Männchen herrühren.

Die Biologen hatten den idealen Ort für eine Feldstudie gefunden: Einen Kuhstall, in dem nicht nur unzählige Stubenfliegen (Musca domestica) lebten, sondern auch eine Kolonie Fransenfledermäuse (Myotis nattereri) ansässig war. Dort beobachteten sie mit Hilfe von Videoaufzeichnungen über mehrere Jahre hinweg das Miteinander der beiden Arten. Die Aufnahmen zeigten, dass die Fliegen nachts äußerst ungern fliegen. Auf der eher unebenen Decke eines Kuhstalls waren sie vor hungrigen Fledermäusen sicher – selbst wenn sie krabbelten, wurden die Insektenfresser nicht auf die potenzielle Beute aufmerksam und griffen nie an.

Nächtlicher Sex enorm gefährlich

Paarungsaktivitäten änderten dies deutlich. Das Risiko, entdeckt zu werden, stieg stark an: Mehr als fünf Prozent aller von den Biologen beobachteten Paarungen wurden von Fledermäusen attackiert. „Fünf Prozent sind in einem Beutegreifersystem sehr viel“, betont Greif. Und waren die Fliegen erst einmal entdeckt, erwischte die Fledermaus in rund 60 Prozent der Fälle auch beide Fliegen auf einmal.

Experimente, in denen die Forscher unterschiedliche Laute per Lautsprecher präsentierten, bestätigten, dass es die Paarungsaktivitäten waren, welche die Fliegen verrieten. Die Fledermäuse reagierten auch bei den abgespielten Tonaufzeichnungen gezielt auf die summend-schnarrenden Geräusche, die die Fliegen beim Sex produzieren. Nächtlicher Sex ist für Fliegen also enorm gefährlich, denn jeder zwanzigste Akt führte zu einem Fledermausangriff, der häufig tödlich endete.

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